Paralympics 2026: fünf deutsche, die in mailand geschichte schreiben wollen

Ab Freitag, 6. März, gehört die Sportwelt nicht mehr den Olympia-Stars. In Mailand und Cortina d'Ampezzo übernehmen die Para-Athletinnen und -Athleten die Bühne – und das deutsche Team kommt mit echten Medaillenambitionen. 40 Sportlerinnen und Sportler sowie acht Guides schickt der Deutsche Behindertensportverband in diese Winterspiele. Was sie mitbringen, ist weit mehr als Mut.

Anna-lena forster: das gesicht, das gold kennt

Wer die Bilder aus Pyeongchang und Peking kennt, weiß, was diese Frau kann. Die 30-jährige Monoskifahrerin aus Radolfzell hat in beiden Spielen Gold im Slalom und in der Super-Kombination geholt. Neun Paralympics-Medaillen insgesamt – eine Sammlung, die für sich spricht. In Cortina tritt sie fünfmal an, und jedes Mal gehört sie zum engsten Favoritenkreis.

Nur eines hat sich verändert: Die sitzende Klasse ist enger geworden. Kurz vor den Spielen haben mehrere Konkurrentinnen aufgeholt. Ein Selbstläufer wird das nicht. Aber Forster ist auch nicht jemand, der unter Druck zusammenbricht.

Johanna recktenwald: spät gestartet, jetzt ganz vorne

Johanna recktenwald: spät gestartet, jetzt ganz vorne

Mit 14 Jahren stand sie zum ersten Mal auf Langlauf-Skiern. Das ist spät. Sehr spät für jemanden, der heute Weltmeisterin ist. Die 24-jährige Saarländerin gewann im Vorjahr den Biathlon-Einzel-Titel bei der WM, holte drei weitere Silbermedaillen und wurde zur Para Sportlerin des Jahres in Deutschland gekürt. Der Durchbruch, auf den sie lange gewartet hatte, kam mit Wucht.

Als Gesamtweltcupsiegerin reist Recktenwald nicht mehr als Geheimtipp nach Italien. Sie ist Mitfavoritin. Vor allem im Biathlon dürfte ihr kaum jemand entkommen – ihre Schussgenauigkeit ist das, was Konkurrentinnen nachts wachhält.

Jörg wedde: 60 jahre alt, kein bisschen leise

Jörg wedde: 60 jahre alt, kein bisschen leise

Der Mann ist 60 Jahre alt und spielt Para-Eishockey auf Weltklasse-Niveau. Jörg Wedde, Medizintechniker aus dem Alltag, ist der älteste Athlet des Team D – und einer von nur vier Spielern, die schon bei der letzten deutschen Paralympics-Teilnahme im Eishockey vor 20 Jahren in Turin dabei waren.

Mit zwölf Jahren verlor er bei einem Bahnunfall beide Beine. Den Weg in den Behindertensport fand er lange nicht. Erst mit 37 Jahren kam er zum Para-Eishockey. Seitdem hat er mehr als zwei Jahrzehnte Leistungssport draufgepackt. Eine Medaille in Mailand wäre eine Sensation – aber dieser Mann hat sein ganzes Leben damit verbracht, das Unmögliche zu ignorieren.

Marco maier: vom außenseiter zum mitfavoriten

Marco maier: vom außenseiter zum mitfavoriten

In Peking überraschte er mit Silber im Biathlon und im Langlauf-Sprint. Wer das für Zufall hielt, wurde in den Jahren danach eines Besseren belehrt: sieben WM-Medaillen später startet der 26-Jährige aus Kirchzarten diesmal als Mitfavorit in seine drei Biathlon-Rennen.

Was kaum jemand weiß: Seine Karriere wäre fast beendet gewesen, bevor sie richtig begann. Für die Saison 2016/17 wurde er nicht klassifiziert – ein ganzer Winter ohne Wettkämpfe. Maier, dem seit Geburt an drei Fingern der linken Hand die vorderen Glieder fehlen, kämpfte sich zurück. Diese Geschichte erklärt, warum er unter Druck besser wird, nicht schlechter.

Linn kazmaier: mit 19 jahren trägt sie zu viel auf einmal

Linn kazmaier: mit 19 jahren trägt sie zu viel auf einmal

Bei den Spielen in Peking war sie 15 Jahre alt und holte fünf Medaillen aus fünf Starts – darunter Gold über die Langlauf-Mitteldistanz. Ein Märchen. Dann starb ihr Vater an Krebs. Der Sport rückte in den Hintergrund, die Leichtigkeit von Peking ist noch nicht zurück.

Die heute 19-Jährige kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig: Para-Sport auf Weltklasse-Niveau, der Schatten eines persönlichen Verlustes – und wenige Wochen nach den Paralympics stehen die schriftlichen Abiturprüfungen an. Für eine Medaille muss an diesem Märztag in den Dolomiten wirklich alles zusammenpassen. Aber wer sie in Peking gesehen hat, weiß: Unterschätzen wäre der größte Fehler.

Die Paralympics in Mailand und Cortina d'Ampezzo laufen vom 6. bis 15. März. Das deutsche Team bringt keine Statistiken mit. Es bringt Geschichten – und den unbedingten Willen, sie weiterzuschreiben.