Zimmermann stürzt in laigueglia – strade bianche-raus, team bangt um hand

Georg Zimmermann liegt in Berlin auf dem Untersuchungstisch. Der deutsche Straßenmeister flog mitten in die Mauer eines engen Ligurischen Dorfes, sein linkes Handgelenk schlug gegen Asphalt, und schon ist klar: Samstag fehlt er bei Strade Bianche, der ersten Schotter-Oper des Jahres.

Lotto dstny rechnet mit fraktur – rennkalender droht zu wackeln

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Die Belgier reagierten blitzschnell. Noch während Zimmermann im Zielbereich von Trofeo Laigueglia den Schmerz zusammenbiß, twitterte Lotto Dstny lapidar: „Handverdacht.“ Drei Wörter, die in der Saisonplanung wie ein Beinbruch wirken. Der 28-Jährige sollte in der Toskana als Kapitän die weißen Steinstraßen attackieren, nun steht sein Rad im Team-Truck, ohne Fahrer.

Die Zahl nagt an ihm: 17 km/h. So schnell fuhr er in die engste Kurve von Laigueglia, als ein italienischer Continental-Fahrer quer rutschte. Zimmermann konnte nicht mehr ausweichen. Er prallte gegen die Betonkante, flog über den Lenker, landete auf Hand und Hüfte. Er beendete das Rennen noch, fuhr mit einer Hand ins Ziel – Sturzschilder gibt es nicht, wenn der Kapitän liegenbleibt.

Die Ärzte in Augsburg sparten sich gestern ein CT. Stattdessen ordnete Teamarzt Dr. Joris De Koster sofort die Weiterflug-Klausel an: Sondermaschine nach Berlin, dort Spezialist Dr. Thomas Schulte. Der Mann, der schon Ackermanns Hand wieder zusammengesetzt hat, soll Klarheit schaffen. Eine mögliche Metakarpal-Fraktur würde vier Wochen kosten – das wäre nicht nur Strade Bianche futsch, sondern auch das Prolog-Ziel bei Paris–Nice und vielleicht sogar sein Heimspiel bei Eschborn–Frankfurt.

Für Lotto Dstny kommt der Ausfall wie ein Faustschlag in der Vor-Saison. Zimmermann war als Klassik-Allrounder neu eingeplant, sollte in Flandern und an der Ardennen-Front Punkte sammeln. Bisher holte er in diesem Frühjahr 82 UCI-Punkte – mehr als jeder andere Fahrer im belgischen Kader. Sein Sturz reißt eine Lücke, die kein Neo-Profi füllen kann.

Die Stimmung im Lager kippte binnen Minuten. Sportlich Leiter Mario Aerts versuchte noch, die Enttäuschung herunterzuspielen: „Wir haben Alternativen.“ Doch hinter den Kulissen ist man sich klar: Ohne Zimmermanns Erfahrung auf Schotter und Pflaster wird die Frühjahrskampagne zur Zitterpartie. Der nächste Mann auf der Liste, Pascal Eenkhoorn, startet erstmals als Kapitän – mit 26 Jahren und ohne jede Erfahrung auf den strittigen 63 Kilometern Weißstraße.

Zimmermann selbst schwieg gestern. Auf Instagram postete er nur ein Foto: seine linke Hand in Schlinge, daneben die deutsche Trikot-Fahne. Dazwischen ein einziger Kommentar: „Ich komme zurück.“ Kein Hashtag, kein Emoji – nur diese drei Wörter. Die Botschaft ist klar: Er will Eschborn–Frankfurt am 1. Mai noch retten. Die Ärzte geben sich noch keine Prognose. Doch selbst wenn das Handgelenk heil ist, bleibt die Frage, wie viel Schotter-Power nach vier Wochen Pause noch in seinen Oberschenkeln steckt.

Der Countdown läuft. In 72 Stunden startet Strade Bianche ohne den deutschen Meister. Die Straßen von Siena vermissen ihren Außenseiter – und Zimmermann vermisst die Saison, die gerade begann.