Paralympics 2026: cortina wird zum pulverfass – und deutschland steckt mitten drin

Die 14. Paralympics starten am Freitag im Schatten von Kriegsprotesten, Wildcard-Eklat und einem deutschen Team, das sich erst drei Tage vor der Eröffnung aus Verona zurückzieht. 650 Athleten, 79 Entscheidungen, ein Land, das wieder unter eigener Flagge fahren darf – und eine Ukraine, die mit leeren Stühlen antwortet.

Warum cortina 2026 schon jetzt geschichte schreibt

Am 6. März erklingt im Amphitheater von Verona kein deutscher Trommelwirbel. Der DBS verzichtet auf den Einmarsch, weil Russland und Belarus doch starten dürfen. Die IPC-Vollversammlung hatte im September 2025 die Suspendierung aufgehoben – mit dem Argument, „der Prozess sei demokratisch“. Fakt ist: Sechs Russen und vier Weißrussen erhalten Wildcards, dürfen Hymne hören, Fahnen hissen. Die Ukraine bleibt sitzen, Estland, Lettland, Polen, Finnland, Litauen, Niederlande, Tschechien auch. Italien als Gastgeber nennt das „inakzeptabel“. Die Arena wird halb leer sein, aber laut.

Deutschlands gold-kalk: forster, walter, kazmeier – und ein 60-jähriger

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Die Medaillen-Mathe ist gnadenlos. Marc Möllmann, Chef de Mission, nennt Platz sechs als Minimalziel. Vier Jahre nach Peking (19 Medaillen, Rang sieben) soll es nach vorne gehen. Anna-Lena Forster reist als lebende Goldwaffe an: 30 Jahre, fünf Disziplinen, vier Goldstreifen aus Peking. Im Para-Ski-Alpin ist sie die Benchmark. Leonie Walter und Linn Kazmeier sind im Biathlon/Langlauf Doppelschlag-Sicherheit – beide blind, beide schnell, beide schon Olympiasieger. Die ältere Garde liefert das Gerüst: Andrea Rothfuss startet zu ihren sechsten Winterspielen, Andrea Eskau (54) zu ihren neunten Paralympics insgesamt. Jüngster Konterpart: Maya Fügenschuh, 17, frisch aus dem Skigymnasium. Ältester: Jörg Wedde, 60, Torhüter im Para-Eishockey-Team, das sich nach 20 Jahren wieder qualifizierte – Platz fünf als realistisch.

Die disziplinen-karte: wo deutschland zählt – und wo nicht

Die disziplinen-karte: wo deutschland zählt – und wo nicht

Cortina liefert Ski Alpin, Snowboard, Rollstuhlcurling – Letzteres ohne deutsche Beteiligung. Tesero hostet Biathlon und Langlauf, Mailand das Para-Eishockey. 79 Medaillenentscheidungen, 50 Nationen, drei Startklassen (sitzend, stehend, sehbehindert) plus Zeitfaktoren, die jede Sekunde rechen. Das System ist kompliziert, aber fair: Je schwerer die Behinderung, desto größer der Faktor. Für Zuschauer heißt das: Jeder Lauf ist eine neue Weltrekord-Jagd.

Tv-plan: 100 stunden live, mit audiodeskription und untertitel

Tv-plan: 100 stunden live, mit audiodeskription und untertitel

ZDF beginnt am 7. März mit vier Live-Tagen, ARD übernimmt ab dem 11. März bis zu sechs Stunden täglich. Dazu bieten sportschau.de und die App mehr als 100 Stunden Stream, alle Medaillenentscheidungen in Echtzeit. Audio-Description und Live-Untertitel sind Standard – ein Schritt, der barrierefreies Fernsehen endlich selbst barrierefrei macht.

Die stimmung im lager: „wir fahren trotzdem“

Die stimmung im lager: „wir fahren trotzdem“

Die Boykott-Entscheidung stört die Vorbereitung nicht, sagt Forster im DBS-Interview: „Wir wollen zeigen, dass Sport mehr ist als Politik – aber manchmal ist Politik einfach lauter.“ Die Athleten zeichneten sich bereits in Venedig für die Aufzeichnung ab, die Einspieler laufen trotzdem. Der Verband will Konzentration, nicht Krawall. Die Athleten wollen Medaillen, nicht Metaphern. Am Ende zählt die Uhr – und die, die als erste durchs Ziel brettert.

50 Jahre nach Örnsköldsvik steht Cortina vor der schwierigsten Paralympics der Neuzeit. Deutschland verzichtet auf den Festakt, nicht auf den Podestkurs. Wenn am 15. März die Abschlussfeier fällt, könnte der deutsche Kader wieder ganz oben stehen – mit oder ohne Einmarsch, aber mit Zahlen, die lauter sind als jede Politik: 141 Goldmedaillen im ewigen Ranking, Platz eins. Da muss kein Satz mehr folgen.