Panatta nach 50 jahren: „sinner kann rom und paris holen – schluss mit warten!“
Adriano Panatta hat es satt. 50 Jahre nach seinem Triumph bei den Internationali d’Italia will der letzte italienische Sieger in Rom endlich Nachfolge sehen. Sein Kandidat: Jannik Sinner. „Ich werde bald 100, es ist Zeit!“, schmetterte der 73-Jährige gestern im Coni-Salone d’Onore und schob ein scharfes Lob hinterher: „Jannik hat beide Turniere in sich – Rom und Roland Garros.“
Panatta sieht sinner auf der überholspur
Montecarlo war ein Testlauf, mehr nicht. Panatta, der den Masterplan auf Sand studiert hat, ist sicher: „Er hat gegen Alcaraz gewonnen, nicht gegen Zverev oder Fritz. Das macht den Mental-Unterschied.“ Die Halbfinale- und Finale-Aufträge in Monaco hätten gezeigt, dass Sinner die Terra-Battuta-Mechanik verinnerlicht. „Früher hat er auf Sand gezögert, jetzt trifft er die Spur zwei Meter hinter der Grundlinie – das ist Königsklasse.“
Die Frage nach dem Italiener-Boom beantwortet Panatta mit typischer Römer-Schärfe: „Mysterium? Quatsch. Der Bewegung hat Sinner allein erfunden. Wer so spielt, zieht die Kids mit.“ Dabei stützt sich der ehemalige Weltranglisten-Dritte auf seine jahrelange Erfahrung als Talent-Entdecker. „Manchmal reicht ein verrückter Club-Coach, der einem 8-Jährigen sagt: ‚Du bleibst heute zwei Stunden länger.‘ Der Rest ist Disziplin plus Genie – und Jannik hat beides.“

„Un campione per amico“ startet am 22. april in livorno
Während Sinner in Madrid auf Jagd nach seinem fünften Masters-1000-Sieg in Serie geht, zieht Panatta selbst los. Seine Initiative „Un campione per amico“ beginnt am Montag in der Toskana und stoppt in zwölf Städten. Mehr als 10.000 Grundschulkinder werden Tennis, Volleyball, Rugby und Co. ausprobieren – ohne Leistungsdruck, dafür mit Stars wie Andrea Lucchetta, Ciccio Graziani und Maurizia Cacciatori an ihrer Seite.
„Ob sie später Federer oder Martin Castrogiovanni heißen, ist egal“, lacht Panatta. „Hauptsache Bewegung, Freunde, Respekt – das sind die echten Turniere des Lebens.“ Partner Sport e Salute liefert das Budget, damit kein Kind Startgebühren zahlt. Geschäftsführer Diego Nepi Molineris nennt die Zahlen: „Wir knacken die 61-Millionen-Euro-Marke bei Roland Garros, aber hier geht es um den Jackpot der Gesellschaft: null Barriere, 100 Prozent Zukunft.“
Panatta bleibt hart: „Sport ist kein Netflix-Abend. Man muss raus, schwitzen, verlieren, wieder aufstehen – das lernt man nur auf dem Platz.“ Für ihn steht fest: Wenn Sinner in Rom und Paris gewinnt, ist das nicht nur ein Grand-Slam-Konto, sondern ein Signal an Millionen Kinder. „Dann sagen sie sich: ‚Der kommt aus Südtirol, ich aus Neapel – warum nicht ich?‘“ Die Antwort liefert der Altmeister mit einem zwinkernden Schlusspfiff: „Weil sie noch nicht Jannik heißen. Aber das kann man ändern – mit Schläger, Ehrgeiz und ein bisschen verrücktem Coach.“
