Otto addo brennt: ghana vor wm-debakel – stuttgart wird zur schicksals-arena
Stuttgart wird zur Schockschleuder. Otto Addo, der Trainer, der Ghana zur WM geführt hat, steht drei Monate vor dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada mit dem Rücken zur Wand. Drei Pleiten, null Selbstvertrauen, ein 1:5 in Wien als letzte Warnung. Am Montag trifft seine Mannschaft auf Deutschland – für Addo ist das keine Generalprobe, sondern eine Endabrechnung.
„Mein job steht auf der kippe“ – addo vor dem aus?
Die Worte klingen wie ein Abschied. „Wenn man sich als Trainer Sorgen macht, ist es ohnehin vorbei“, sagt Addo, 48, im Kreis der Journalisten. Kein Selbstmitleid, nur nüchterne Erkenntnis. Die Qualifikation für die WM hat ihn gerettet, aber sie reicht nicht mehr. Die Fans in Accra skandieren nach der 1:5-Blamage gegen Österreich schon wieder seinen Namen – allerdings mit einem „Weg!“ davor.
Die Statistik ist gnadenlos: seit November vier Niederlagen in fünf Spielen, kein Tor aus dem Feld. Die Tore gegen die Österreicher fielen nach Standard, nach Konter, nach individuellen Patzern. Es sah nicht nach Pech aus, es sah nach Planlosigkeit aus. Addo weiß das. Er schaut nicht weg.

Die gruppe l wartet – england, kroatien, panama
Während die DFB-Elf in Stuttgart nur testet, spielt Ghana um Zeit. In 90 Minuten muss eine neue Ordnung sichtbar werden, sonst flattert beim Verband die nächste Fax. Die Gruppe L ist kein Spaß: England mit Bellingham, Kroatien mit Modric, Panama mit dem Copa-Gestühl. Ein Punktverlust gegen Panama kann reichen, um früh die Koffer zu packen. Addo hat die Aufstellung schon durchgerechnet: doppelte Sechs, schnelle Außen, aber wer triflt?
In den letzten beiden Trainingseinheiten ließ er den Sturm trainieren, als gäbe es kein Morgen. 30 Schüsse, 11 Treffer. Die Zahlen flüstern ihm zu, was er nicht laut sagen will: Die Chancenverwertung ist auf Amateurniveau abgestürzt.

Stuttgart als signal – oder als grabstein
Die Arena an der Cannstatter Kurve ist ein Echo. 2010 feierte Ghana hier ein 1:0 gegen Russland, damals mit Asamoah Gyan, mit Kevin-Prince Boateng, mit Selbstbewusstsein. 16 Jahre später steht dieselbe Mannschaftsbus-Linie vor dem Hotel, aber die Spieler schauen auf den Boden. Die Pressekonferenz ist kurz, Addo antwortet mit monotonem Ton. Er weiß: Verliert seine Mannschaft erneut, wird der Verband nicht bis zur WM warten.
Deutschland dagegen kann sich leisten, zu experimentieren. Nagelsmann wird rotieren, drei Tage später winkt das Nations-League-Duell. Für Addo gibt es kein danach, wenn das Ergebnis nicht stimmt. Die Uhr tickt laut. Die 90 Minuten in Stuttgart werden nicht nur über seinen Job entscheiden, sondern auch darüber, ob Ghanas WM-Ticket am Ende nur ein teures Souvenir bleibt.
Am Montagabend wird klar: Entweder findet Ghana in Schwaben wieder Tore – oder der Verband findet einen neuen Coach. Die Alternative ist ein Sommer ohne ghanaische Farben in Nordamerika. Und das wäre für ein Land, das 2010 das Viertelfinale erreichte, mehr als ein Rückschritt: ein Desaster.
