Olympique marseille trennt sich von pablo longoria – nach sechs jahren ist schluss

Pablo Longoria ist nicht mehr Präsident des Olympique Marseille. Der 37-jährige Spanier verlässt den französischen Topklub nach sechs Jahren – und das mit einer emotionalen Abschiedsrede, die am frühen Morgen auf LinkedIn erschien. «Ich habe gerade ein wichtiges Kapitel meiner Karriere beendet», schreibt Longoria. «Diese Zeilen zu tippen, löst ein Gemisch aus Stolz und Wehmut aus.»

Die machtfrage stand schon lange fest

Hinter den Kulissen war der Rückzug längst besiegelt. Doch erst heute machte der Klub die Trennung offiziell. Seit Wochen war Longoria auf Schalten und Walzen reduziert worden, nachdem sich die Beziehung zu Eigentümer Frank McCourt zuletzt abgekühlt hatte. Die letzten Monate verbrachte der ehemalige Klubchef vor allem mit Repräsentationsaufgaben – ein Sargnagel für jeden Funktionär, der sich selbst als Gestalter versteht.

In seinem Abschiedsbrief spart Longoria nicht mit Dankesworten – auch an den Mann, der ihn letztlich ablöste. «Ich danke Frank McCourt für das Vertrauen und die Chance, diese Institution sechs Jahre lang zu führen», heißt es. Dabei wissen Insider: Die beiden stritten über Transferstrategien, über Machtverteilung, über die Zukunft des Marseille-Kosmos. Doch Longoria wählt den eleganten Abgang. «Diese Jahre haben mein Verständnis vom Spiel geprägt. Fußball ist mehr als 90 Minuten. Er ist Struktur, Identität, Emotion.»

6 Jahre, 12 trainer, ein pokalsieg

6 Jahre, 12 trainer, ein pokalsieg

Seit dem Sommer 2016 saß Longoria am Ruder. Er kam als Sportdirektor, stieg 2021 zum Präsidenten auf. Unter seiner Ära wechselten 112 Spieler den Klub, zwölf Trainer kamen und gingen. Den Höhepunkt erlebte er 2022: Marseille holte den Coupe de France, das erste Trophäe seit zehn Jahren. Doch die Champions-League-Träume blieben unerfüllt. Dreimal scheiterte OM in der Quali, zweimal in der Gruppenphase. Die Schulden stiegen auf über 400 Millionen Euro.

Dennoch: Longoria hinterlässt eine moderne Infrastruktur. Er ließ das Trainingsgelände renovieren, baute ein Datenanalyse-Center auf und verpflichtete Jugendkoaches in Spanien und Afrika. «Wir haben neue Wege beschritten», schreibt er. «Fußball ist globale Industrie, aber er bleibt menschlich. Er schafft Jobs, weckt Emotionen, verbindet Generationen.»

Was bleibt, ist ein brief – und ein loch

Was bleibt, ist ein brief – und ein loch

Die Nachfolge ist offen. Sportlich steht OM auf Rang drei, drei Punkte hinter Leader PSG. Doch die Machtzentrale ist geräumt. Longoria wird fehlen – als Netzwerker, als Drehscheibe, als Gesicht nach außen. In Marseille spricht man bereits über Vincent Labrune, den früheren Ligue-1-Boss. Andere nennen Ex-Profi Mathieu Valbuena. Fakt ist: Wer auch immer folgt, muss das Erbe eines Mannes verwalten, der den Klub modernisierte – und sich selbst überlebt hat.

Longoria schließt seine Zeilen mit einem Satz, der klingt, als habe er ihn lange durchgekaut: «Ich verabschiede mich mit Respekt und Dankbarkeit.» Dann unterschreibt er: «Pablo.» Kein Titel, keine Position – nur noch ein Name. In Marseille beginnt nun die Ära danach. Und die beginnt mit einem Loch.