Olympiagold in salt lake city: der nervenkitzel des deutschen teamsprungs
Ein dramatischer sieg in salt lake city
Kaum ein Olympiasieg konnte knapper sein. Bei den dramatischen Teamspringen der Winterspiele 2002 in Salt Lake City schrieben Sven Hannawald, Martin Schmitt und ihre Teamkollegen Skisprunggeschichte. Ein Nerventhriller, der bis heute als eines der emotionalsten Kapitel des olympischen Skispringens gilt. Der Wettkampf am 18. Februar 2002 war der Höhepunkt einer deutschen Olympia-Mission, die zwischen Euphorie und Enttäuschung schwankte.

Der druck der olympischen spiele
Vor allem Sven Hannawald spürte den enormen Druck. Als erster Skispringer, der die Vierschanzentournee in allen vier Wettbewerben gewann, galt er als einer der Top-Favoriten. Doch von der Normalschanze verpasste er knapp den Sieg, nur 1,5 Punkte fehlten zu Simon Ammann. Auf der Großschanze folgte ein Sturz im zweiten Durchgang, was ihm nur den vierten Platz einbrachte. Ammann hingegen gewann sowohl von der Normal- als auch von der Großschanze.
Das duell um gold im teamspringen
Das Teamspringen bot dem deutschen Skiverband die Chance zur Rehabilitation und zur Fortsetzung einer stolzen Olympia-Bilanz: Gold 1994 in Lillehammer, Silber 1998 in Nagano. Auf der 90-Meter-Schanze lieferten Sven Hannawald, Martin Schmitt, Michael Uhrmann und Stephan Hocke einen packenden Thriller mit Finnland. Der junge Hocke, mit 18 Jahren der jüngste deutsche Olympiastarter, bewies Nervenstärke.
Die entscheidung im direkten duell
Die finale Entscheidung fiel im direkten Duell zwischen dem Finnen Janne Ahonen und Martin Schmitt. Schmitt hatte zuvor seine Bestform nicht abrufen können und wechselte sogar noch am Tag vor dem Springen die Ski – eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erwies. „Ohne die neuen Ski hätte es nicht gereicht“, so Schmitt überglücklich. Seine Sprünge auf 131,5 und 123,5 Meter waren entscheidend.
Nur fünf zentimeter unterschied
Trotz Abzügen in den Haltungsnoten reichten die 123,5 Meter, um Finnland hauchdünn zu besiegen. Bundestrainer Reinhard Heß war sichtlich erschöpft: „Ob ich so etwas noch mal durchstehe, weiß ich nicht. Ich hatte eigentlich schon geglaubt, dass Finnland gewonnen hat.“ Der Unterschied betrug tatsächlich nur fünf Zentimeter! Michael Uhrmann, der an dritter Position sprang, legte ebenfalls einen wichtigen Grundstein für den Erfolg.
Die erleichterung und die vorbereitung
Nach der Verkündung des Ergebnisses konnte auch Trainer Heß den Erfolg kaum fassen: „Ich kann mich noch gar nicht richtig freuen, ich denke, das kommt erst im Laufe des Tages zum Ausbruch.“ Das deutsche Team war durch die Arbeit des medizinischen Teams optimal vorbereitet. Teamarzt Ernst Jakob hatte Hannawald und Schmitt mit Lymphdrainagen und anderen Therapien in Form gebracht.
Ein historisches kapitel
Der Sieg schweißte die Athleten noch enger zusammen. Martin Schmitt betonte die anhaltende Freundschaft zu Sven Hannawald. Beide sind auch heute noch als Experten für ARD und Eurosport im Einsatz. Dieser Sieg in Salt Lake City bleibt ein unvergessliches Kapitel in der Geschichte des deutschen Skisprungs. Ein Triumph, der auf Nervenstärke, Teamgeist und dem Mut zur Veränderung basierte.
