Olympia 2036: dosb drängt auf transparenz und neue regeln
Die Olympische Bewegung steht vor einem Wendepunkt. Während das Internationale Olympische Komitee (IOC) diese Woche in Lausanne seine 146. Vollversammlung abhält, hofft der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auf richtungsweisende Entscheidungen für die Zukunft – insbesondere bei der Vergabe von Olympischen Spielen.

Neuer wind im bewerbungsprozess gefordert
Thomas Weikert, Präsident des DOSB, äußerte sich in einer Pressemitteilung zu den Erwartungen: „Die IOC-Session kann ein Meilenstein auf dem Weg des Fit-for-Future-Prozesses sein.“ Es gehe darum, die olympische Bewegung zukunftsfähig zu gestalten und klare Prioritäten für die kommenden Jahre zu setzen. Besonders die Belange der Athletinnen und Athleten sowie die Gestaltung des olympischen Programms stehen dabei im Fokus.
Doch der DOSB drängt nicht nur auf eine strategische Neuausrichtung, sondern auch auf mehr Transparenz bei der Vergabe von Spielen. Die aktuelle Praxis, bei der die IOC-Exekutive der Vollversammlung einen einzigen, bereits favorisierten Kandidaten vorlegt, wurde von der Future-Host-Commission unter der Leitung von Kolinda Grabar-Kitarovic kritisiert. Die ehemalige kroatische Staatspräsidentin forderte bereits im Februar einen „transparenteren“ und „kosteneffizienteren“ Vergabeprozess.
Deutschland bewirbt sich ambitioniert um die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 und 2044. Die Entscheidung über den nationalen Bewerber fällt am 26. September in Baden-Baden, wo Berlin, München und Köln/Rhein-Ruhr gegeneinander antreten. Der Wunsch nach mehr Orientierung im Bewerbungsprozess kommt daher nicht von ungefähr.
Die IOC-Kommission schlägt nun eine Übergangsphase mit einer Shortlist von Interessenten vor. Diese Shortlist würde eine eingehendere Bewertung ermöglichen und die IOC-Mitglieder stärker in den Entscheidungsprozess einbeziehen. Die bisherige Unterscheidung zwischen „kontinuierlichem“ und „zielgerichtetem“ Dialog erscheint laut Grabar-Kitarovic „zu scharf“.
Die vergangenen Spielevergaben – französische Alpen (Winter/2030), Brisbane (Sommer/2032) und Salt Lake City (Winter/2034) – wurden im Rahmen des zielgerichteten Dialogs mit großer Mehrheit zugesprochen. Die Hoffnung ist, dass ein transparenterer Prozess in Zukunft zu weniger Kampfabstimmungen und einer gerechteren Bewertung der Bewerbungen führt. Es bleibt abzuwarten, ob das IOC in Lausanne die notwendigen Weichen für eine neue Ära der Olympiavergabe stellen wird.
