Old-firm-chaos: celtic jubelt, rangers-fans stürmen – ibrox wird zur arena der schande
Elf-Meter-Krimi, dann Randale-Katastrophe. Celtic gewinnt den Pokal, aber die Bilder, die bleiben, sind die von Pyro, Fäusten und einem Rasen voller wütender Menschen. Die 123. Minute war noch nicht vorbei, da flog die erste Bengalische ins Seitenaus. Sekunden später platzten Celtic-Fans über die Werbebande, trampelten die Eckfahne nieder und machten sich auf den Weg zu ihren Spielern. Tomas Cvancara, einst bei Gladbank, hatte den Sieg versenkt – und wurde zum Fan-Magneten.
Rangers-anhang antwortet mit gewalt statt groll
Was folgte, war keine Party, sondern ein Spiegelbild jahrelang aufgestauter Rivalität. Vermummte Rangers-Anhänger zogen sich Kapuzen über die Köpfe, griffen nach allem, was nicht niet- und nagelfest war, und schleuderten Böller, Plastikflaschen, sogar Sitzschalen in den Gästeblock. Die Polizei ging mit Schlagstöcken dazwischen, Ordner formierten eine Menschenkette – vergeblich. Zwischen grün-weißen Jubelgesichtern und blauen Hooligans entstand ein 30 Meter breiter, wabernder Tumult, der sich in zwei Wellen über den ganzen Innenraum zog. Erst nach 20 Minuten war das Feld wieder halbwegs klar, die Spieler längst in den Katakomben.
Die Bilanz: keine offiziellen Verletztenzahlen, keine Festnahmen, die man sofort bestätigt – und doch ein Imageschaden, der sich in Euro nicht beziffern lässt. Die Scottish FA kündigte „eine sofortige, umfassende Untersuchung“ an, klang dabei aber kaum schärfer als nach vergangenen Eskalationen. Celtic schwieg vorerst, auch Rangers hielt sich bedeckt. Fraglich, ob die Entscheidung, 7 500 Auswärts-Tickets freizugeben, nach diesem Abend Bestand hat. Noch vor fünf Jahren waren es nur 800, zuletzt 2 500 – jedes Mal ein Kompromiss zwischen Sicherheitsbehörden und TV-Geldern.

Trainer röhl sieht fußball, fans sehen krieg
Deutschlands Exporttrainer Danny Röhl versuchte, das Sportliche in den Vordergrund zu rücken: „Wir waren über 120 Minuten die bessere Mannschaft. Elfmeter sind Glück.“ Doch sein Satz verpuffte angesichts der Videosequenzen, die bereits viral gehen. Eine Drohne filmte, wie eine Celticc-Fangruppe ein Banner mit der Aufschrift „Huns out“ entrollte – eine Beleidigung, die auf alte religiöse Spaltungen verweist. Auf der Gegenseite war ein Spruchband zu sehen: „F* the Pope“. Die Eskalation war nicht spontan, sie war vorbereitet.
Frühere Old-Firm-Spiele endeten mit Messerstechereien und Haftstrafen. Die Politik forderte schon öfter, das Duell nur noch bei neutralen Austragungsorten stattfinden zu lassen – ein Tabu für die Klubbosse, die auf die 90-Minuten-Sause vor vollen Rängen setzen. Die TV-Rechte bringen beide Vereine auf mehr als 60 Millionen Euro pro Saison. Ein Geisterspiel würde diese Kalkulation zerfetzen.
Für Celtic geht die Jagd nach dem Double weiter, für Rangers bleibt die Erkenntnis, dass Elfmeterschießen keine Gerechtigkeit kennt. Und für die schottische Liga bleibt ein Problem, das kein Torjäger löst: Wenn Emotionen zu Gewalt mutieren, ist kein Pokalsieg mehr irgendein Trost. Die nächste Saisonplanung beginnt – mit oder ohne Auswärtsfans im Ibrox. Die Entscheidung fällt in den kommenden Tagen, doch das Echo der Bilder dürfte länger nachhallen als jedes Matchprotokoll.
