Odermatt schlägt sich selbst: «das war das schlechteste rennen seit jahren»
Er kam, sah – und wollte sich selbst vernichten. Marco Odermatt, der Mann, der diese Saison alles abräumte, raste am Sonntag im Super-G von Kvitfjell auf Platz 19. 1,97 Sekunden Rückstand. Für ihn eine Ewigkeit. «Ich bin keine Kurve richtig gefahren», giftete der Schweizer im SRF-Mikrofon. «Das war das schlechteste Rennen der letzten fünf, sechs Jahre.»
Die kugel ist da, die stimmung nicht
Die Kristallkugel für die Gesamtwertung hatte er schon vor Wochen eingepackt, die kleinen dafür in Abfahrt und Super-G auch. Doch statt zu feiern, nagt an ihm, dass er sich selbst nicht auf den Thron setzen kann. «Ich habe mich nicht als konstant bester Super-G-Fahrer gefühlt», sagt er. Die 78 Punkte Vorsprung auf Vincent Kriechmayr? «Die hat mir die Konkurrenz geschenkt, nicht ich geholt.»
Schon am Morgen hatte er gemerkt: Die Spannung blieb aus. «So was hatte ich noch nie.» Er fuhr trotzdem runter – und prallte gegen die Wand seiner eigenen Erwartung. «Mich nervt’s, dass ich so unglaublich schlecht gefahren bin.»

Riesenslalom wird zur nervenschlacht
Nun kommt die Disziplin, die ihm am meisten liegt. Am Dienstag in Lienz entscheidet sich die Kugel im Riesenslalom. 495 Punkte stehen auf seinem Konto, Lucas Pinheiro Braathen (447) und Loic Meillard (406) lauern. Theoretisch reicht Odermatt Rang vier. Theoretisch. «Klar will ich gewinnen», sagt er. «Zweiter wird nie reichen.»
Dabei wäre jeder andere mit dieser Saison längst ins Wintersport-Nirvana geglitten: drei Weltcup-Kugeln, drei Medaillen bei Olympia, nur Gold fehlte. Doch Odermatt ist ein Perfektionist, der sich selbst nicht erlaubt, zu träumen. «Wenn ich nicht gewinne, war’s kein guter Tag», lautet seine Devise. Der Sieg ist ihm Routine, die Niederlage eine Beleidigung.
Die Saison endet mit einem Kribbeln im Magen – und mit der Gewissheit, dass selbst ein Champion sich manchmal selbst der größte Gegner ist. Für ihn zählt nur das nächste Rennen. Und das beginnt am Dienstag um 9.30 Uhr. Kein Fan fragt sich, ob er gewinnt. Er selbst tut es. Laut.
