Valencia wacht auf: von oviedo-blamage zum sevilla-fight

Kein Wort, kein einziger Satz war zu viel. Als Carlos Corberan im Sánchez-Pizjuán seinen Luis Rioja an der Seitenlinie packte und brüllte: „Wir lassen hier alles auf dem Rasen, kapiert? Die Leute sollen sehen, dass wir für diese Punkte leben!“, da war klar: Die 0:3-Pleite in Oviedo war kein Ausrutscher mehr, sondern ein Schock, der bis ins Mark ging.

Genau sieben Tage zuvor stand dieselbe Elf im Estadio Carlos Tartiere da wie gelähmt – spät in die Zweikämpfe, null Zugriff, null Stolz. Das Resultat: Abstiegskandidat Real Oviedo schickte den Copa-Halbfinalisten mit einem blutigen 3:0 nach Hause. Die Bilder gingen durch Spanien wie ein Virus: Valencia, einst Europas Stolz, kassierte die Demütigung vom Tabellenletzten der Primera División. Und prompt sprach keiner mehr vom „Projekt Europa“, sondern von „Punto de quiebre“ – dem berühmten Wendepunkt.

Corberáns wake-up-call mitten im spiel

Die Kameras von Movistar+ fingen den Moment ein, als Corberan Rioja instruierte. Es war keine taktische Korrektur, es war reine Emotion. „Wir haben die Woche über intern Videos geschaut, jeder Einzelne musste sich selbst sehen – und es war peinlich“, sagte ein Mitarbeiter des Trainingszentrums in Paterna. Die Folge: Doppelschichten, Sprinttests, eine Extra-Einheit „Intensität versus Ego“. Die Frage war nicht mehr, ob Valencia spielen kann, sondern ob es will.

Beim 2:1 in Sevilla kam die Antwort. Frühe Ballgewinne, ein Duro, der jeden Meter mitlief, und ein Hugo Duro, der nach Abpfiff die Stimme hob: „Wenn wir so spielen, braucht niemand über Europa zu reden. Europa muss man sich erarbeiten, Meter für Meter.“

Die zahlen, die niemand erwartete

Die zahlen, die niemand erwartete

Die Statistik des spanischen Ligaverbandes zeigt den Unterschied auf einen Blick: In Oviedo gewann Valencia erst nach 67 Minuten seine erste Zweikampf-Mehrheit, in Sevilla schon nach elf Sekunden. Die Laufleistung stieg von 99,4 km auf 109,7 km – ein Plus von mehr als zehn Kilometern. Und die PPDA (Gegnerpässe pro defensiver Aktion) fiel von 18,2 auf 7,4. Klare Botschaft: Gegen den Ball, nicht hinterher.

Auch die Fan-Kurve spürte den Bruch. 2.500 Auswärtsfahrte nach Andalusien, Gesänge bis in die Nachspielzeit. „Wir haben den Schuldschein beglichen“, sagte Duro. „Aber eine Rechnung bleibt offen: die Tabelle. Jetzt zählt nur Serie.“

Was wirklich zählt: selbstrespekt statt selbstpity

Was wirklich zählt: selbstrespekt statt selbstpity

Real Oviedo übrigens kassierte am gleichen Spieltag vier Gegentore gegen Levante – und bewies, wie flüchtig der Ruhm eines Underdogs sein kann. Für Valencia war das die Erinnerung daran, dass die Saison kein Sprint, sondern ein Marathon bleibt. Corberan wird die Trainingspläne weiterdrehen, Duro die Stimme erheben, Rioja die Flanke schlagen.

Der Klub, der zwischen 2000 und 2004 zweimal die Liga und einmal die UEFA-Cup-Trophäe holte, muss sich nicht neu erfinden – nur wieder daran erinnern, dass das Trikot schwerer ist als jede Einzelmeinung. Wer in der Primera División zwei Mal beim Letzten verliert, darf sich nicht wundern, wenn Europa sich fernhält. Wer aber darauf reagiert wie gegen Sevilla, darf träumen. Die Reise nach Paterna beginnt von neuem – und diesmal ohne Rückzieher.