Vingegaard jagt katalonien-hattrick – doch red bulls evenepoel-lipowitz-doppel könnte ihn stolpern

Jonas Vingegaard rollt als roter Hotspot in die 105. Volta a Catalunya, aber der Schnee auf dem Teide war noch nicht geschmolzen, da kursierte schon das Gerücht: Red Bull-Bora-hansgrohe schickt keine B-Elf, sondern eine Drei-Mann-Attacke, die den Dänen das Leben schwer machen will.

Red bull schmeißt die luxus-option rein

Remco Evenepoel, Florian Lipowitz und Jai Hindley im selben Bus – das klingt nach Fantasy-Cycling, ist aber die Realität ab Montag in Calella. Evenepoel will nach seiner Daumen-Operation beweisen, dass er auch ohne Zeitfahren Bergketten sprengen kann. Lipowitz, der in der Höhe fast schon wieder ein Geheimtipp, hat sich auf Mallorca und am Teide die Lungen blutig gefahren. Hinzu kommt Hindley, der Giro-Sieger von 2022, der in Tirreno noch einmal 2.000 Höhenmeter Extra eingebaut hat. Drei Kapitäne, ein Ziel: Visma das Drehbuch vermasseln.

Doch das niederländische Superteam lässt sich nicht beirren. Vingegaard bringt Sepp Kuss mit, der die Vuelta 2023 gewann und seit Januar jeden zweiten Tag auf dem Mount Teide gepennt hat. Dazu Wilco Kelderman, der in Paris-Nizza zeigte, dass er wieder in der Lage ist, 30 Minuten Vollgas auf 2.000 Meter zu geben. Die Frage ist nur: Wer setzt die erste Bombe? Kelderman auf dem Port-Ainé? Kuss auf der Queen-Stage? Oder schlägt Vingegaard gleich zu und erledigt die Verfolgung frühzeitig?

Baroncini steigt wieder auf – nach dem künstlichen koma

Baroncini steigt wieder auf – nach dem künstlichen koma

Die Geschichte neben der Spitzengruppe ist Filippo Baroncini. Der Italiener wurde am 6. August 2025 bei der Tour de Pologne so schwer verletzt, dass Ärzte ihn für 72 Stunden in ein künstliches Koma legten. Seitdem war jeder Trainingstag ein Sieg über die Schwerkraft. Nun steht er in Katalonien wieder am Start – nicht als Statist, sondern als Co-Kapitän neben João Almeida. UAE kann auf Jay Vine, Marc Soler und Brandon McNulty zurückgreifen, doch Baroncinis Comeback ist das emotionale Schwergewicht.

Deutsche Farben trägt Georg Steinhauser. Der 22-Jährige wurde in Nizza Dritter, schaffte es damit in die enge Favoritenliste der Buchmacher. Gemeinsam mit Richard Carapaz, der in Tirreno formtechnisch schon wieder im Frühjahr 2020 zu schweben schien, will er EF Education in die Top-Ten schießen. Und auf den Flachetappen? Da darf sich Henri Uhlig austoben. Der Sprinter aus Hannovern trifft auf Sam Bennett, Ethan Vernon und Alberto Dainese – ein Feld, in dem sich schon eine Sekunde über 200 Meter über Sieg und Niederlage entscheidet.

Die queen-stage entscheidet – und die wetterkarte ist ein poker

Die queen-stage entscheidet – und die wetterkarte ist ein poker

Die 165 Kilometer von La Pobla de Lillet nach Queralt sind Programm-Hochgenug: 4.400 Höhenmeter, drei Anstiege der ersten Kategorie, Finish auf 1.160 Metern. Wetter-Apps zeigen 6 Grad und Schneeregen – genau das Terrain, in dem Vingegaard seine Muskelfasern auf 90 Watt pro Kilogramm trimmt. Aber Achtung: Lenny Martinez bewies in Paris-Nizza, dass er dem Dänen auf dem letzten Kilometer noch einmal eine Lücke reißen kann. Wenn der Franzose an seinem 21. Geburtstag erneut zuschlägt, wird er zum Volkshelden in Font Romeu.

Für Österreich ist Felix Gall die letzte Hoffnung. Der 28-Jährige teilt sich die Kapitänsrolle mit Matthew Riccitello, doch intern gilt Gall als Mann für 30-Grad-Anstiege. Decathlon hat Léo Bisiaux mitgebracht, das französische Klettertalent, das letzten Sommer noch als U23-Weltmeister jubelte. Sein Saisondebüt wird live übertragen – und die Drohnen der Organisatoren haben bereits angekündigt, dass sie die Attacke des 20-Jährigen in 4K begleiten werden.

105. Volta a Catalunya, 23. bis 29. März – das erste große Klassiker-Feuerwerk der Saison. Wer hier gewinnt, trägt im Juli schon mal das Gelbe im Kopf. Die restliche Peloton wird aufpassen, denn in diesem Jahr zählt jeder Meter doppelt.