Kimmich zieht durch: „kein bock“ gilt nicht mehr

Joshua Kimmich schlägt mit der Faust auf den Tisch – und zwar vor dem ersten Pfiff. Noch bevor die Nationalmannschaft am Donnerstag in Frankfurt die Schweiz empfängt, legt der Kapitän die Latte hoch: Wer keine Lust hat, soll zu Hause bleiben. Der Satz knallt wie ein Handtuch in die Kabine.

Die märz-phase, die alle kennen

Die Liga schwitzt, die Knie knirschen. Genau in dieser Woche schicken Klubärzte heimlich Mails an den DFB, empfehlen „Pausenmanagement“ und „Mikro-Verletzungen“. Kimmich hat diese Gespräche längst durchschaut. „Es gibt immer jemanden, der sagt: ‚Boah, lieber mal aussetzen‘“, wettert er gegen SWR Sport. Für ihn ist das kein Fitness-Update, sondern eine Frage von Nationalstolz.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit November hat die DFB-Elf nur eins von fünf Spielen gewonnen. Gegen Österreich, gegen die Türkei, gegen Japan – jedes Mal brannte die Defensive. Nun stehen mit der Schweiz und Ghana zwei Testläufe an, bevor es im Juni bei der WM gegen Ecuador, Elfenbeinküste und Curaçao ernst wird. Kimmich will keine Experimente mehr, er will eine Startelf, die „zu 100 Prozent an Bord“ ist.

Nagelsmanns personal-puzzle wird immer kleiner

Nagelsmanns personal-puzzle wird immer kleiner

Jamal Musiala fehlt erneut, Leon Goretzka laboriert an der Hüfte, Antonio Rüdiger hat sich in Madrid blutig geschlagen. Die Liste der Absagen liest sich wie ein Verletzten-Who-is-Who der Bundesliga. Für Nagelsmann bedeutet das: Er muss improvisieren, ohne dass sich die DNA seiner Mannschaft auflöst. Kimmich sieht darin keine Ausrede, sondern eine Chance. „Wenn wir nur mit denen spielen würden, die zu 120 Prozent fit sind, stünden wir mit zwölf Mann auf dem Platz“, sagt er trocken.

Der 31-Jährige selbst hatte im Winter mit einer Schulter-Blockade zu kämpfen, spielte trotzdem 90 Minuten gegen Bremen. Sein Credo: „Wenn die Nummer auf dem Rücken vier heißt, fährst du, Punkt.“ Diese Haltung vermittelt er nun an die Jüngeren – mit lauter Stimme und ohne Wenn und Aber.

Was wirklich auf dem spiel steht

Was wirklich auf dem spiel steht

Der DFB plant intern mit mindestens vier Punkten aus den beiden Spielen. Schafft die Mannschaft das nicht, rutscht sie in der FIFA-Weltrangliste weiter ab – und landet für die WM in Topf zwei. Das bedeutet: eine Gruppe mit Brasilien, Frankreich oder Argentinien ist plötzlich möglich. Kimmich kennt die Prognosen, ignoriert sie aber. „Wir reden hier nicht über Punkte, wir reden über Kultur“, betont er. Für ihn ist jedes Länderspiel ein „Knopf an der Jacke“, den man sich verdienen muss.

Die Fans reagieren gemischt: Auf Twitter feiern ihn einige als „letzten Krieger“, andere fragen, warum ein Kapitän öffentlich Druck machen muss. Kimmich nimmt das in Kauf. „Ich bin nicht hier, um Freunde zu sammeln, sondern um Spiele zu gewinnen“, wirft er zurück. Nach dem enttäuschenden WM-Aus 2022 und dem EM-Debakel 2024 ist für ihn klar: Wer die Farben nicht tragen will, soll sie ausziehen.

Am Donnerstag um 20.45 Uhr steht er wieder vor dem Mikrofon, diesmal mit dem Schweizer Captain Granit Xhaka an seiner Seite. Die Analyse wird schnell gemacht: Entweder die DFB-Elf spielt mit Kimmich' Wut – oder sie lässt sich erneut von der eigenen Bequemlichkeit überrollen. Die Uhr tickt. Die Kabine hat gehört. Jetzt muss der Rasen sprechen.