Nou mestalla: stahl wächst aus beton, 70.000 plätze kommen 2027

Valencia schaut wieder auf ein gigantisches Gerippe. Nach 14 Jahren Stille rumpelt der Bagger, Stahlrohre schießen in den Himmel, und 31.000 Zuschauer werden künftig über neue Außentreppen ins Obergeschoß flitzen – das ist mehr als komplette Primera-Division-Stadien fassen.

Warum ausgerechnet jetzt die kranheber wieder anrücken

Warum ausgerechnet jetzt die kranheber wieder anrücken

Die Antwort steckt im Detail: Ein Oval aus Beton wartete seit 2009 darauf, endlich eingekleidet zu werden. Doch statt einer teuren Vollverkleidung basteln die Architekten von Fenwick Iribarren einen „Effizienzmantel“. Wellbleche umarmen die vorhandenen Decken, Stahlprofile schlängeln sich wie Blütenblätter um die Tribünen, und Photovoltaik-Kabel spannen sich leicht über das Dach. Billiger, schneller, flexibler – so überlistet man ein Budget, das sich eigentlich nicht bewegen wollte.

Die 12 Not-Aus-Türme sind das Herzstück. Jeder einzelne kann 2.600 Fans in weniger als acht Minuten auf die Straße leiten. Sie kippen radial nach außen, damit das Ovalloch passt, und ihre Stahlwangen glänzen schon jetzt wie Silberpfeile gegen die Valencianer Sonne. Wer genau hinsieht, erkennt die Neigung von acht Grad – ein Kompromiss zwischen Statik und Stadion-Ästhetik.

Die Zahlen sind schlicht brutal: 4.800 Tonnen Stahl für das Dach, 50 Außenstützen, 20 Meter Fassade über Straßenniveau. Und stillstehen darf nichts, denn der Termin ist gesetzt: Juli 2027. Dann rollt der Ball im neuen Mestalla, 70.044 Menschen werden brüllen, und das berühmte Oval aus der Taufe gehobenen Betons endlich seinen Dienst tun.

Ein Detail bleibt unters Volk: Die untere Ringtribüne verliert ihre Laufbahn, dafür gewinnt das Mittelgeschoss VIP-Logen und 16.648 Plätze. Die obere Etage aber wird zur reinen Massen-Tribüne – 31.389 Ränge, alle nur über die Außenfeuerleitern erreichbar. Kein spanisches Stadion baut derzeit so radikal auf Sicherheit und Durchsatz.

Valencia CF spielt noch im provisorischen Ciutat de València. Doch hinter dem Bauzaun tickt eine Uhr, die lauter wird. Wenn 2027 die Lichter angehen, wird das Nou Mestalla nicht nur das größte Stadion der Region sein – es wird auch das erste sein, das seine eigene Stromrechnung durch Sonnenkollektoren tilgt. Beton allein reicht nicht; hier wächst Stahl aus der Asche der Baukrise. Und die Fans zählen schon jetzt die Tage, bis sie die 12 Silberpfeile emporklettern können.