Norwegens nestaker schreibt dortmund-geschichte und lässt bensheim erneut leer ausgehen

Guro Nestaker lachte, hob den Pokal – und Bensheim schluckte. Zum vierten Mal Endspiel, zum vierten Mal nichts. Borussia Dortmund holt sich im fünften Finale überhaupt den zweiten DHB-Pokal, der TSV Bayer 04 Leverkusenbleibt mit neun Trophäen unangetastet.

Der wechsel, der alles veränderte

Erst Ludwigsburg, jetzt der MVP-Titel: Nestakers Transfer war kein Routine-Wechsel, sondern die Geburtsstunde einer neuen Pokal-Ära. In der Schlussphase drehte die 26-jährige Norwegerin auf, versenkte zwei Siebenmeter und zerlegte die Abwehr der HSG Bensheim/Auerbach mit Tempogegenstößen. 28 Sekunden vor Schluss netzte sie zum 29:27 – Entscheidung, Jubel, Pokal.

Trainerin Maike Daniels hob die Schultern: „Wir haben die ganze Saison gelernt, dass wir auch mal kurz den Kopf einziehen können. Heute haben wir zugebissen und nicht mehr losgelassen.“ Für Dortmund ist es nach 1997 der zweite Triumph, die Bilanz: fünf Finals, zwei Titel – ein Quotenwert, den sich mancher Bundesligist wünscht.

Die flames brennen weiter ohne feuer

Die flames brennen weiter ohne feuer

Die HSG Bensheim/Auerbach trägt das Pech im Namen. 1975 und 1977 als TSV Rot-Weiß Auerbach, 2023 und nun 2026 als HSG – vier Finals, vier Niederlagen. Kapitänin Luisa Knipp zuckte nach Abpfiff nur mit den Lippen: „Wir wissen, wie es ist, kurz vor dem Ziel zu scheitern. Aber irgendwann muss sich das Blatt doch wenden.“ Statistiker schütteln den Kopf: Kein Frauen-Team verlor so oft im Endspiel, ohne je zu gewinnen.

Dabei lief alles nach Plan, bis zur 49. Minute führten die Flames mit zwei Toren. Dann kam der Norwegerin der Rückraum zu lang, Kreisläuferin Jenny Behrend landete früh auf der Bank, und Dortmund drehte das Tempo auf 3:0. Die Schlussphase war ein Spiegelbild der Saison: Bensheim dominiert weite Strecken, verliert aber die Nerven, wenn es brennt.

Rekord und rendite

Rekord und rendite

Während sich Dortmund über 50.000 Euro Preisgeld freut, schaut Leverkusen gelassen nach vorn. Die Rheinländerinnen feierten ihren neunten Pokalsieg 2010, lagen 2026 nicht einmal im Final Four. Trotzdem: Kein Verein nahm öfter den Pokal mit – nicht einmal Leipzig kommt auf mehr als sieben Titel. Die Zahlen sind ein Mahnmal für alle Verfolger: Wer Leverkusen einholen will, muss mindestens bis 2035 gewinnen – jedes Jahr.

Die Saison 2026/27 wirft schon Schatten: Ludwigsburg fehlte diesmal, dafür meldet sich der Thüringer HC zurück. Trainer Herbert Müller hatte vor dem Turnier gewarnt: „Jeder kann jeden schlagen, das ist das Schöne am Pokal.“ Für Bensheim klang es wie eine Drohung. Für Dortmund wie ein Versprechen – und das hat Guro Nestaker eingelöst.