Chemnitz stiehlt 78:73 in rostock und schlägt den direkten konkurrenten k.o.

70 Sekunden vor Ende steht es 70:70, die Seawolves haben den Sieg schon auf dem Konto – und dann rastet Chemnitz aus. Ein 8:0-Run in nicht einmal zwei Minuten zertrümmert Rostocks Playoff-Träume, die Niners verlassen mit 78:73 die Ostseehalle und kriegen obendrein den direkten Vergleich in der Tasche.

Rostock führt, rostock patzt – und das brutale finish gehört den gästen

Die ersten 38 Minuten liefen nach Rostocker Plan. D’Shawn Schwartz punktete souverän (20 Zähler), die Defensive verpasste den Chemnitzen 17 Ballverluste, und als Kevin Yebo nach dem Ellenbogen-Treffer blutend ausgetauscht wurde, schien die Partie entschieden. Doch Yebo kam zurück, Corey Davis nahm sich die Schlussphase einfach für sich – 23 Punkte, 5 Assists, 3 Rebounds in den letzten vier Minuten – und plötzlich traf Rostock nichts mehr. Drei Ballverluste in Folge, zwei vergebene offene Dreier, ein verlorener Sprungball: die Kurzfassung eines Kollaps.

Ohne DeAndre Lansdowne, der wegen einer Knöchelprellung komplett geschont wurde, fehlte der Seawolves der sichere Steuerungsmann. „Als Leader muss ich die letzten Würfe treffen, egal wie viel Luft noch in der Lunge ist“, sagte Schwartz mit bissigem Selbstbild danach. Chemnitz dagegen lief ohne Kostja Mushidi auf, spielte aber plötzlich mit sieben Leben. Nur acht Turnovers – das ist gegen Rostocks aggressive Defense ein Wert, der selten in der Statistik steht.

Das blutige gesicht und die wende

Das blutige gesicht und die wende

Der dritte Viertel: Elias Baggette hebt den Ellbogen, Yebo geht zu Boden, die Halle verstummt. Während der Geburtstagskind verarztet wird, schreit Coach Rodrigo Pastore an der Seitenlinie: „Jetzt reagiert, Jungs!“ Rostock legt einen 9:2-Lauf hin, die Führung wächst auf sieben Punkte. Doch genau in dieser Phase versteckt sich schon das Finale. Yebo kehrt mit einer dünnen Naht über dem Auge zurück, Davis übernimmt, und die Niners verwandeln ihre letzten acht Freiwürfe ohne Fehlversuch.

Den Seawolves bleibt nur die Erkenntnis: Sie haben die Playoff-Plätze selbst auf dem Silbertablett serviert – und Chemnitz hat das Tablett mitgenommen. „Wir haben die Köpfe nicht hochgehen lassen, selbst als wir zwölf Punkte hinten lagen“, sagte Roman Bedime mit breitem Grinsen ins Mikro. Die Halle hingegen verließ schweigend, wer in der Tabelle auf Rang sieben die Kurve nicht kriegt, darf sich nicht wundern, wenn Rang elf vorbeizieht.

Für die Niners ist der Sieg mehr als zwei Zähler. Sie haben die Direktvergleich-Serie gedreht, das Momentum gehört ihnen – und mit einem Spiel weniger auf dem Konto lauern sie jetzt genau hinter den Wolves. Rostock dagegen muss nächste Woche in Bayreuth gewinnen, sonst rutscht die Saison aus den eigenen Händen. Die Uhr tickt lauter als je zuvor.