Nina meinke boxt mit offenem bartschwund um zwei wm-titel
Blut, fünf Stiche, zwei Gürtel – und ein Statement. Nina Meinke steigt Freitag in Hamburg in den Ring, als hätte sie nie etwas anderes getan. Die 33-Jährige verteilt nicht nur Schläge, sie schleift Grenzen weg.
Die Berlinerin trägt 36 Minuten Kampfdistanz in sich – ein Pensum, das selbst Männer in der Schwergewichtsklasse selten absolvieren. Gegen Dyana Vargas geht es um den IBF-Titel plus die vakante IBO-Krone im Federgewicht. Das Management der „Ringside Zone“ bucht sie als Hauptkampf zwischen Himmel und Heide, mitten zwischen den Schwergewichten. „Cool“, findet Meinke, „denn so wird sichtbar, dass Frauenboxen kein Zusatzprogramm ist.“
Der cut, der alles veränderte
Der Bartschwund an ihrem Haaransatz erinnert sie täglich daran, was auf dem Spiel steht. Im WM-Duell mit Daniela Bermudez riss die Wunde drei Zentimeter weit auf, das Blut spritzte auf Trainer, Ringrichterin, Gegnerin – „überall“. Ihre beste Freundin weinte, die Mutter war „komplett aufgelöst“. Meinke selbst lachte, als der Arzt die fünf Stiche setzte. „Narben sind wie Schmuck“, sagt sie, „sie erzählen, wer ich bin.“
Die Nase hatte früher einen Hubbel. Jetzt ist sie gerade. Auch das war Boxen. Gebrochene Hände, zerschlagenes Gesicht, aber ein ungebrochener Plan: Gleichberechtigung durch Leistung. „Wenn wir das Gleiche verdienen wollen, müssen wir zeigen, dass wir das Gleiche aushalten.“

Zwölf runden sind keine männerfrage
Das WBC verweigert Frauen die Zwölf-Runden-Distanz aus „Sicherheitsgründen“. Meinke schüttelt den Kopf. „Das Argument zieht nicht, wenn Schwergewichte sich gegenseitig mit Todessehnsucht vor den Kopf hauen.“ Sie selbst boxte schon zweimal über die volle Distanz – 36 Minuten, 1080 Sekunden, jede einzelne ein Schrei nach Anerkennung.
Vargas kommt aus der Dominikanischen Republik, gilt als „total verrückt“, was im Frauenboxen höchstes Lob ist. Beide haben „einen Knall“, sagt Meinke und meint das als Kompliment. Freitag um 19.15 Uhr läuft der Stream auf BILD.de – und womöglich ein Stück Sportgeschichte.
Die Brave bleibt dran. Und das Blut gehört einfach dazu.
