Nicolas rettet gladbach mit weltklasse-parade – nationaltorwart-debüt nur noch formsache?
Ein einziger Moment, 27. Minute, 0:0. Fujita steht am langen Pfosten völlig blank, Ritzka legt quer – eigentlich das 0:1. Doch Moritz Nicolas fliegt wie ein Katapult, pariert mit den Fingerspitzen, rettet die Fohlenelf und spült prompt die Diskussion um den dritten Nationaltorwart-Platz für Katar zurück ins Borussia-Park.
Die szene, die schröder zum schwärmen bringt
„Bei 0:0 ist das ein ganz wichtiger Save“, sagt Sportchef Rouven Schröder nach dem 2:0 gegen St. Pauli und grinst wie ein Schuljunge. „Wir gönnen jedem die WM. Wenn er einer von denen ist, wünschen wir ihm das natürlich.“ Die Kicker-Zahlen sprechen für sich: Nicolas liegt mit 69,3 Prozent gehaltenen Schüssen auf Platz zwei der Liga-Besten, nur Kobel (Dortmund) ist minimal besser. Und mit zehn Shutouts springt der 28-Jährende sogar auf Rang zwei des ewigen Sauber-Sieger-Rankings hinter eben jenem Kobel.
Was den Scouts der DFB-Delegation jedoch wirklich heiß macht, ist seine Perfektion. Schröder: „Er ist unfassbar ehrgeizig, ein richtiger Perfektionist. Er geht voran, ist ganz stabil.“ Die Dreierkette Elvedi – Sander – Diks funktionierte wie ein Uhrwerk, St. Pauli kam nur zu einer xG von 0,4. Das ist kein Zufall, das ist Trainingsfleiß, der sich auf dem Rasen manifestiert.

Warum nicolas nicht mehr nur ersatz ist
Die alte Leier, ein deutscher Torhüter müsste im Ausland spielen, um Löws Aufmerksamkeit zu erlangen, zählt nicht mehr. Hansi Flick beobachtet die Bundesliga mit Lasergenauigkeit. Und dort ist Nicolas seit 17 Spielen unumstrittene Nummer eins – weg vom ewigen Hintermann, hin zur Leitfigur. Die Paraden gegen Freiburg, Frankfurt und nun St. Pauli sind keine Einzelfälle mehr, sie bilden eine Serie, die lauter schreit als jede Pressekonferenz.
Ein dritter WM-Torhüter muss nicht unbedingt 30 Länderspiele haben, er muss bereit sein, innerhalb von Millisekunden Spiele zu retten. Das kann Nicolas. Und er tut es mit einer Gelassenheit, die selbst Yann Sommer neidisch machen würde.
Die Saison ist noch lang, Gladbach hat mit 36 Gegentreffern die drittbeste Defensive der Liga. Wenn Nicolas so weitermacht, wird der Nationaltrainer irgendwann den Kugelschreiber zücken – und einen Namen auf das letzte freie Feld unten rechts setzen. Dann fliegt nicht nur der Ball, sondern auch der Borusse nach Katar.
