Frenkert fällt erneut aus: braunschweigs abwehr bröckelt zum kornetka-debüt
Lukas Frenkert liegt wieder auf der Trage, und mit ihm die Luft für Eintracht Braunschweig. Der Vizekapitän, zuletzt wieder erste Wahl in der Dreierkette, zog sich diese Woche einen Hüftbeugerriss zu – dass er damit nicht nur Fortuna Düsseldorf und Hannover 96 verpasst, sondern auch die erste internationale Länderspielpause der Kornetka-Ära, ist das kleinere Problem.

Die abwehrkante fehlt, der abstiegskampf beginnt
Der 25-Jährige war mit einer kicker-Note von 3,19 der stabilste Feldspieler der Niedersachsen – ein Wert, der in dieser Saison schon fast wie ein Sechser im Lotto wirkt. Ohne ihn rückt Andi Hoti in die Startelf, neben ihm muss neuerdings auch Patrick Nkoa passen, der nach seiner Roten Karte in Paderborn gesperrt ist. Das Duo, das in dieser Konstellation noch nie zusammen spielte, soll den Klassenerhalt sichern. Die Wahrscheinlichkeit, dass das gelingt, liegt laut Datenanalyse bei 18 Prozent – vor zwei Wochen waren es noch 34.
Trainer Lars Kornetka bekommt damit einen Start, wie er ihn sich im schlimmsten Alptraum nicht ausgemalt hätte. Der 43-Jährige, zuletzt Co-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft, sollte eigentlich mit vollzähligem Personal seine Philosophie des „Gegenpressings mit Ballbesitzsicherheit“ einstudieren. Stattdessen muss er improvisieren. Die letzten fünf Spiele ohne Sieg kosteten Heiner Backhaus den Job; jetzt droht dem Nachfolger schon vor dem ersten Pfiff der nächste Tiefschlag.
Die Zahlen sind gnadenlos: Seit Frenkerts erstem Muskelbündelriss in der Vorbereitung kassierte Braunschweig in den Partien ohne ihn 2,4 Gegentore pro Spiel – mit ihm nur 1,1. Die Tordifferenz ist mit minus 22 ohnehin die zweitschlechteste der Liga. Wenn die Abwehr nicht hält, fliegt der BTSV durch die Relegationsspiele direkt in die dritte Liga. Die Fans wissen es, die Spieler auch. Nach der Absage von Frenkert gaben einige schon vor dem Düsseldorf-Spiel unumwunden zu, „dass die Köpfe erst mal wieder in der Kabine hängen“.
Kornetkas einziger Trost: Die Länderspielpause kommt wie ein Notarzt. Bis dahin muss er mit dem Material arbeiten, das ihm bleibt – und das ist dünn. Die U-23 wurde bereits gezogen, zwei Talente trainieren mit der Profimannschaft, obwohl sie erst seit Januar 18 sind. Die sportliche Leitung nennt das „Notfallplan“, intern heißt es „Poker mit offenen Karten“. Denn wer jetzt noch Punkte verschenkt, verschenkt Saison. Frenkert selbst will sich „in zwei Wochen wieder einkämpfen“. Bis dahin haben seine Kollegen neun Tage, um zu beweisen, dass diese Mannschaft nicht nur aus ihm besteht. Die Uhr tickt – und sie tickt laut.
