Neuer zittert, eberl liefert: bayerns tor-titan steht vor der richtungsentscheidung

40 Jahre, 4:3 gegen Real, 1 Fehlpass – und 0 Vertragsangebote. Manuel Neuer muss sich nach der Achterbahnfahrt gegen Madrid selbst fragen: Noch einmal oder nie wieder? Bayern-Sportvorstand Max Eberl gibt sich locker, doch die Klinke ist bereits in der Hand.

Die geduldkarte hat ein verfallsdatum

„Kein Angebot vorliegen“ – das sagt Eberl, als hätte er gerade den Kaffee vergessen. Dabei deutet alles darauf hin, dass der Rekordmeister den Weltmeister von 2014 durchschleusen will, wenn Neuer seinen Teil beisteuert: Fitness, Frische, Lust. Drei Begriffe, die klingen wie ein Sommerfitness-Programm für Senioren, aber in München die Lizenz für weitere zwölf Monate sein können.

Die Rechnung ist simpel. Neuer liefert eine Saison ohne Rückschläge, Bayern verlängert. Doch die erste Minute gegen Real war ein Eigentor in die Zukunft. Sein Pass landete bei Arda Güler, der eiskalt einschob. „Das war ein Schweineball von mir“, sagte Neuer selbstkritisch. Er sprach schnell, als wolle er den Ball noch in der Luft fangen.

Die gala von madrid ist vergessen

Die gala von madrid ist vergessen

Noch vor sieben Tagen feierte ihn ganz Spanien für seine Parade-Serie im Bernabéu. Dann kommt ein einziger schluderiger Moment und plötzlich steht die Frage im Raum, ob ein 40-Jähriger noch reflexschnell genug ist für die Königsklasse. Die Antwort lautet: ja, aber nur, wenn er sich selbst eingesteht, dass selbst Götter mal humpeln.

Eberl nimmt Neuer in die Pflicht: „Die Dinge übereinanderlegen“ – das klingt nach Pro-und-Contra-Liste, nach wachen Nächten und einem Gespräch auf Augenhöhe. Der Vorstand will keine utopischen Forderungen, was bei einem Torwart, der zuletzt 15 Millionen Euro Jahresgehalt kassierte, fast schon als Gefallen klingt.

Neuer selbst will Klarheit, „je eher, desto besser“. Er weiß, dass jede Woche Zögern ein Argument für die Jüngeren liefert. Nübel wartet in Stuttgart, Ulreich lauert in der Staatskanzlei des Klubs. Beide schielen auf das Fürstenamt im Tor.

Die uhr tickt lauter als der ball

Die uhr tickt lauter als der ball

Für Bayern ist die Sache klar: Ein Neuer, der Lust verspricht, lohnt sich mehr als ein Neuanfang mit Risiko. Für Neuer ist die Sache undurchsichtiger: Noch ein Jahr Ablenkung vom Abschied, noch eine Saison auf höchstem Niveu, oder doch der Sturz in die TV-Studio-Sofalandschaft?

Nach dem Schlusspfiff stand er vor den Mikrofonen, das Gesicht rot vom Kampf, die Stimme rau vom Kommandieren. Er sprach über Gülers linken Fuß wie über ein Naturphänomen, das man nicht aufhalten kann. Vielleicht meinte er sich selbst.

Die Entscheidung fällt nicht im Sommerloch, sondern in den nächsten Tagen. Eberl hat den Deckel schon angehoben, Neuer muss nur noch zugreifen. Tut er es nicht, wird der Fehlpass gegen Real die letzte Aktion seiner Karriere in Rot gewesen sein. Dann bleibt nur noch die Frage, wer das Tor hütet – und wer die Geschichte schreibt.