Nairo quintana zieht sich zurück: kolumbianer plant karriere-ende 2026
Nairo Quintana wird 2026 das Rad wegstellen. Der 36-jährige Kolumbianer verkündete seinen Rücktritt am Montagabend in Calella, einen Tag vor dem Start der Volta a Catalunya. Kein impulsiver Aussetzer, sondern eine Entscheidung, die gereift ist. „Ich werde nach dieser Saison noch einmal antreten, dann ist Schluss“, sagte er, während Teams draußen die Zeitfahrmaschinen für die Prolog-Einheit wogen.
Die Zahl 51 fällt. So viele Siege stehen in seiner Palmarès, doch drei genügen, um ihn in die Mythologie des Sports zu heben: Giro 2014, Vuelta 2016, dazu drei Podestplätze bei der Tour – alles ohne je das Gelb zu tragen. Ein Kolumbianer, der als Erster das Maglia Rosa nach Hause brachte, ein Anden-Berglauf, der die Alpen und Pyrenäen in Atem hielt.
Warum jetzt? das bein sagt nein, der kopf sagt genug
Quintanas Knie haben die Antwort schon gegeben. Nach dem Sturz in San Juan 2020 schwoll die Gelenkflüssigkeit monatelang, die Sprünge auf 2 000 Höhenmeter wurden zur Qual. Movistar baute ihn um, Sky-Zeiten sind längst Vergangenheit, doch selbst beim neuen Sponsor Arkéa kam die Frage: Noch einmal die Schmerztabletten, noch einmal das Hochplateau? Er lehnte ab.
Die Volta a Catalunya wird seine letzte Spanien-Rundfahrt. Jonas Vingegaard gilt als Top-Favorit, doch die Blicke richten sich auf Startnummer 141. Quintana wird nicht angreifen, er wird erzählen. Auf den Steigungen von La Molina winken Kolumbianer-Fahnen, Kinder mit gelben Trikots, die ihn nie in Gelb sahen, aber immer in Pink und Rot.
Sein Rücktritt löst ein Domino aus. Kolumbien verliert das letzte verbliebene Aushängeschild der Goldgeneration, die mit Rigoberto Urán und Sergio Henao einst die Grand Tours durcheinander wirbelte. Wer übernimmt? Egan Bernal kämpft noch mit den Folgen seines Sturzes, Dani Martínez ist auf Sprung zu Bora-hansgrohe. Die Antwort heißt: niemand sofort.
Quintana selbst sieht das anders. „Ich habe nie Rennen gewonnen, um Statistiken zu füllen“, sagt er und streicht sich über den Dreitage-Bart. „Ich wollte, dass ein Bauer aus Tunja sieht: Der kleine Junge vom Feld kann die Welt verändern.“ Die Welt hat er verändert – zumindest die Radwelt –, indem er die Höhenmetrik des modernen Radsports neu schrieb: 6 Watt pro Kilo, 1 900 Höhenmeter in 48 Minuten, ein Herzschlag, der bei 180 schlägt und trotzdem noch Platz für ein Lächeln lässt.

Was bleibt? ein archiv aus staub und seide
Die Maglia Rosa hängt in einer Vitrine im Museum von Medellín, neben dem Fahrrad, mit dem er als Zwölfjährer Brot für die Familie auslieferte. Die Vuelta-Trophäe steht bei seinem Bruder, einem Taxifahrer, der damit die Mittelkonsole ziert. Und die Tour-Podeste? Gibt es nur auf Fotos, doch die reichen. Dreimal stand er da, neben Froome, neben Wiggins, neben Thomas – immer der Andenjunge, der nie die große Show wollte, aber die Berge.
Am 31. Dezember 2026 wird er in Zipaquirá ein Mountainbike schwingen, ohne Pulsmesser, ohne Power-Metrik. Ein letzter Blick auf die Höhenzüge, die ihn groß gemacht haben. Dann verschwindet er im Nebel, nicht im Ruhm, aber mit 51 Siegen und einem Bein, das endlich aufhört zu schreien. Die Statistik bleibt, die Geschichten auch. Und die Berge werden leiser, wenn der kleine Mann aus Kolumbien nicht mehr hinauffährt.
