Nagelsmann zieht notbremse: musiala fliegt aus dem kader – das bayern-risiko ist zu groß
Julian Nagelsmann drückt auf Reset. Der Bundestrainer verzichtet für die Länderspiele gegen die Schweiz und Ghana auf Jamal Musiala – und das, obwohl der 23-Jährige gerade seine Topform wieder anschnippt. Die Begründung liegt im Detail: ein leises Knacken im linken Sprunggelenk nach dem 6:1 in Bergamo. Genau dort, wo vor acht Monaten Bänder rissen und das Wadenbein brach.
Die Entscheidung fiel gestern Abend im Dreiergespräch zwischen DFB-Stab, Bayern-Medizinern und Musialas Berater Jordan. Keine Druckwunde, keine Panik – aber ein Spurprotokoll, das keinen Millimeter Interpretationsspielraum lässt. Nagelsmann will den Spieler nicht 48 Stunden später in der Schweiz erneut auf dem Teppich sehen, sondern am 7. April im Viertelfinale gegen Real Madrid. Die Rechnung: lieber jetzt zehn Tage regenerieren als im Sommer zehn Woche pausieren.

Der zeitplan ist knallhart
Musiala absolvierte zuletzt zwei 90-Minuten-Einsätze in Serie – eine Bestmarke seit seiner Verletzung. Intern hieß es: „Er ist wieder der Alte.“ Doch genau das macht den Club nervös. Bayern-Coach Vincent Kompany hatte Nagelsmann am Montag noch persönlich angerufen: „Reden wir über eine Freigabe, wenn wir Madrid erreichen.“ Nun bekommt der Belgier sein Geschenk zurück: seinen Hoffnungsträger frisch für die K.o.-Phase.
Für Musiala bedeutet das Aus persönlich einen Dämpfer. Er hätte nach 371 Tagen Abstinenz sein Comeback im Nationaltrikot gefeiert. Stattdessen trainiert er ab heute individuell auf der Bayern-Anlage, während die A-Nationalmannschaft in Frankfurt einquartiert wird. Der Glamour der WM-Generalprobe entfällt – die echten Prüfungen folgen ohnehin im April und Juli.
Nagelsmanns Kalkulation ist kalt, aber logisch. Die WM in den USA startet am 11. Juni. Bis dahin will er Musiala nicht nur fit, sondern explosiv haben. Wer jetzt eine Kerbe reitet, riskiert im Sommer ein volles Brett. Und der Bundestrainer hat genug Erfahrung mit verletzten Leitwölfen – siehe 2024, als er ohne Leon Goretzka und Musiala im Viertelfinale gegen Spanien stand.
Die Nominierung folgt heute um 14 Uhr. Statt Musialas Namen wird ein anderer aufleuchten: Paul Wanner von Augsburg. Der 19-Jährige soll die Lücke füllen, die Musiala vorübergehend lässt. Es ist das Zeichen an die Mannschaft: Leistung zählt, nicht der Pass. Und es ist die Ansage an die Konkurrenz: Die Tore gegen Real Madrid werden ohne den Zauberfuß aus München fallen müssen.
Musiala selbst reagierte auf WhatsApp mit einem Daumen-Emoji – mehr Emotionen bleiben im Internat. Er weiß: Die Saison ist noch lang, aber die WM ist endgültig. Wer im April nicht läuft, fliegt im Juli nicht mit. Und so bleibt nur eines übrig: das Schweigen des Sprunggelenks – und das Brummen der Bayern-Maschine, die ohne ihn erst einmal weiterdreht.
