Nagelsmann zieht die wm-karten: schlotterbeck und tah fix, rüdiger muss kämpfen

Julian Nagelsmann hat beim letzten Test vor der WM-Nominierung die Karten auf den Tisch gelegt: Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah bilden auch in Mexiko die Innenverteidigung – Antonio Rüdiger muss sich mit der Rolle des Jokers begnügen. Die Aussage schlägt ein wie ein Hammerschlag, denn der Real-Madrid-Star galt bisher als unantastbar.

Der 6:0-kantersieg gegen die slowakei wird zur blaupause

„Wir wollen keine Wellen schlagen, sondern die Linie halten“, sagte Nagelsmann am Freitag im St. Jakob-Park. Sein Ziel: gegen die Schweiz und Ghana zwei Siege, null Taktik-Experimente, maximale Durchschlagskraft. Die Marschroute ist klar – wer nicht mithalten kann, fliegt raus aus dem Kader. Die Botschaft traf auch Rüdiger, der nach seiner Oberschenkel-Verletzung nur noch als Einwechselspieler zählt. „Er hat sich committet, egal ob von Beginn an oder von der Bank“, lobte der Bundestrainer, doch die Worte klangen wie ein Trostpreis.

Die Entscheidung ist sportlich wie psychologisch brisant. Tah lieferte in der Rückrunde eine Top-Saison bei Bayer Leverkusen ab, Schlotterbeck ist Nagelsmanns Liebling wegen seiner Ballsicherheit. Beide sind 25 Jahre jung, beide haben sich in den vergangenen Monaten mit Leistung durchgebissen. Rüdiger, 31, bringt Erfahrung, aber eben auch Rost nach sechs Monaten Zwangspause. Die Hierarchie im DFB-Team verschiebt sich – weg von den Altvorderen, hin zu einer Truppe, die mit Tempo und Pressing überrennen will.

Angelo stiller rast vom abstellgleis in die startelf

Angelo stiller rast vom abstellgleis in die startelf

Die Verletzungsmisere trifft Pavlovic und Nmecha, profitiert tut Angelo Stiller. Der 23-Jährige war ursprünglich nicht nominiert, sitzt nun aber direkt neben Leon Goretzka im defensiven Mittelfeld. „Was wäre, wenn jetzt WM wäre?“, fragte sich Nagelsmann – und zog die Notbremse. Stiller lieferte in Stuttgart eine Saison mit 2.500 Laufkilometern ab, jetzt soll er die Sechser-Position vor WM-Start zementieren. Pavlovic kann bei Hüftproblemen nur zuschauen, Nmecha kämpft gegen die Zeit: Außenband, acht Wochen, keine Garantie.

Die Uhr tickt auch für Jamal Musiala. Sprunggelenk, Schmerzen, keine Einheiten mit der Mannschaft. „Er muss bei 100 Prozent sein, und das in acht Wochen“, sagte Nagelsmann mit sichtbarer Anspannung. Der Münchner Zauberer ist Nagelsmanns Schlüsselspieler, doch der Plan B steht bereits: mehr Positionswechsel, mehr Goretzka im Aufbau, mehr Fülle statt Filigran. Die Schweiz wird zum Stress-Test – nicht nur für Musiala, sondern für das gesamte Offensivkonzept.

Kai havertz kehrt zurück – und soll sofort liefern

Kai havertz kehrt zurück – und soll sofort liefern

Ein Jahr war er weg, jetzt steht er wieder in der Startelf: Kai Havertz. „Er braucht Rhythmus, er bekommt Minuten“, sagte Nagelsmann. Die Ansage klingt nach Vertrauen, ist aber auch ein Sechs-Punkte-Programm. Havertz soll die Sturm-Spitze entlasten, gleichzeitig die Spielanlage mit seiner Bewegung öffnen. Hinter ihm lauern Undav und Woltemade, beide hungrig, beide ohne WM-Erfahrung. Die Konkurrenz ist brutaler denn je – und genau das will Nagelsmann. „Ich will keine Wellness-Tour, sondern einen Leistungskrieg.“

Die Schweizer stehen seit zehn Spielen ungeschlagen, Murat Yakin will bis zu elf Wechsel ziehen. Nagelsmann lehnt das ab: „Ich bin kein Fan.“ Er will Dauerdruck, keine Dauerrotation. Das Testspiel wird zur Mini-WM: wer glänzt, fliegt nach Mexiko; wer pattet, fliegt nach Hause. Die Nacht von Basel wird zur Schicksalsnacht – und Nagelsmann hat schon jetzt die nächste Taktik-Karte gezogen: Sieg oder Sturm.

Um 20:45 Uhr ist Anpfiff, um 22:30 Uhr dürfte klar sein, wer im WM-Kader steht. Die Ampel steht auf Grün – oder auf Rot für einige Stars. Nagelsmanns Machtdemonstration ist perfekt: erst die Ansage, dann der Beweis. Die Schweiz bekommt es mit einer Mannschaft zu tun, die sich selbst zur Höchstform zwingt. Für Rüdiger, Musiala und Co. beginnt jetzt der Kampf ums Überleben. Die Uhr tickt. Die WM wartet. Und Nagelsmann lächelt nicht.