Odermatt zieht mit rekord-poker die kugel, brignone fegt italien an die spitze

Marco Odermatt hat die Skisaison 2024/25 mit einem historischen Schlussspurt gekrönt: fünfter Gesamtweltcup, fünfter Adelboden-Sieg – und das, obwohl er nach dem dritten Saisonrennen schon wieder in der Boxensaison verschwand. Die Konkurrenz schaute bestenfalls auf die Uhr: 28 Jahre alt, 24 Weltcupsiege, keine Lücke in Sicht. Die Frage ist nicht mehr, ob er die Allzeit-Legende wird, sondern wann er sich die letzten Kapitel ausrechnet.

Brignones tiger-sprung von der krücke zum doppel-olympia-gold

Mitte März lag Federica Brignone noch im CT, das Kreuzband durch, der Traum von Cortina 2026 auf dem Bildschirm der Verzweiflung. 48 Tage später stand sie in Kranjska Gora doppelt auf oberster Stufe – und schickte mit Laura Pirovano und Giovanni Franzoni die komplette italienische Speed-Equipe an die Weltspitze. Ergebnis: 5125 Punkte, 4651 für die Schweiz. Italien stößt die Eidgenossen vom Speed-Thron, das erste Mal seit 2009.

Die RH-Wertung? Eine Ein-Mann-Show. Loïc Meillard stand bei acht Großereignissen nur einmal neben dem Podest – und holte trotzdem Gold, Silber, Bronze. Seine Devise: „Wenn du nicht fallen willst, fahr einfach schneller als die Schwerkraft.“

Crans-montana tanzt trotz trauer, shiffrin fegt alle neun slaloms weg

Crans-montana tanzt trotz trauer, shiffrin fegt alle neun slaloms weg

Silvesternacht kostete 28 Menschenleben, auch die Skiwelt stand still. Die Veranstalter entschieden: Rennen mit schwarzem Armband. Malorie Blanc gewann vor heimischem Publikum, Franjo von Allmen ließ am Folgetag die Gondeln erbeben. Ein Sieg, der für eine Stunde die Bergdörfer atmen ließ.

Mikaela Shiffrin brauchte keine Trauer, nur Timer. Neun Slaloms, neun Siege, plus 1,2 Sekunden Vorsprung im Schnitt. Die Amerikanerinnen summierten 5120 Punkte – Team USA wird zur neuen Frauen-Supermacht. Ihre Thronrede: „Irgendwann zählt nur noch, wie oft du noch Lust hast, vor dem ersten Tor zu stehen.“

Kreuzbänder, abschiede und die frage: wer füllt das loch?

Kreuzbänder, abschiede und die frage: wer füllt das loch?

Lara Gut-Behrami rutschte in Sölden aufs Podest, dann rutschte sie in der Trainingseinheit ins Krankenhaus. Ende der Karriere? Offen. Lindsey Vonn wollte in Cortina ihr fünftes Olympia erzwingen, das Knie zerplatzte in Crans-Montana. Ihr Kommentar: „Ich habe dem Berg mein Herz geschenkt, er wollte wohl auch den Rest.“

Die Schweiz verliert mit Niels Hintermann und Joana Hählen zwei Gesichter, die mehr waren als Startnummern. Hintermann beendete seine Story nach Krebs-Comeback mit der Bemerkung: „Ich habe dem Tod ein Tor geschossen, aber ich will nicht noch einmal Elfmeter schießen.“

Youngster stürmen, österreich wartet zehn jahre – und die uhr tickt

Youngster stürmen, österreich wartet zehn jahre – und die uhr tickt

17-jährige Anna Trocker fuhr in Sun Valley aufs Podest, Emma Aicher sammelte in vier Disziplinen Punkte wie Sticker. Österreichs Damen holten nach zehn Jahren endlich wieder eine Riesenslalom-Kugel – Julia Scheib ließ die Kritiker im Schnee verstummen.

Doch die große Uhr tickt. In Sölden beginnt in 135 Tagen die neue Saison. Odermatt wird wieder da sein, Shiffrin auch. Die Frage ist nur: Wer schafft es, ihre Schatten zu durchbrechen, bevor die Sonne hinter dem Rettenbachferner untergeht? Die Antwort fällt in den ersten Trainingsein – und die werden härter als je.