Hanning zieht gegen deutschland: italien lotst dhb-team in em-quali-gruppe

Bob Hanning lacht nicht. Der Ex-Bundesliga-Manager sitzt seit Oktober auf der Bank der Squadra Azzurra – und muss nun genau jene Mannschaft schlagen, deren System er jahrelang mitprägte. Die Auslosung in Lissabon schickt Italien in Gruppe 7 der EM-Quali 2028 – gegen Deutschland, Belgien und die Slowakei. Hanning gegen Gislason. Lehrer gegen Schüler. Ein Kracher, der schon im November losgeht.

Hanning kennt jeden winkel der dhb-auswahl

Alfred Gislason schaut auf sein Handy, als ihm die Nachricht erreicht. „Interessant“, sagt der Isländer knapp. Mehr fällt ihm nicht ein. Denn er weiß: Hanning hat die DNA der deutschen Handballer analysiert, bevor sie es selbst taten. Als Sportdirektor führte er den THW Kiel zur Champions-League-Krone, als Teamchef baute er den SC Magdeburg zur Kontermaschine um. Jetzt plant er den Coup mit Mitteln, die er einst in Deutschland perfektionierte.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In 13 Vergleichen mit Italien holte Deutschland 12 Siege, nur 1994 kassierte die DHB-Auswahl eine Niederlage – damals noch mit Feldhandball-Regeln. Doch das war vor Hanning. Seit er die italienische Nationalmannschaft übernahm, stieg die Quote der Gäste in der EHF-Rangliste von Platz 34 auf 26. Ein Sprung, der vor allem eines zeigt: Italien ist längst kein Punktelieferant mehr.

Die quali wird zur schnellboot-operation

Die quali wird zur schnellboot-operation

Die Zeit drückt. Schon am 12. November 2026 rollt der Ball, bis Mai 2027 sind alle 18 Spiele abzuarbeiten. Wer punktet, fliegt im Januar 2028 nach Spanien, Portugal oder die Schweiz – die EM findet erstmals in drei Ländern statt. Gastgeber plus Titelverteidiger Dänemark sind bereits gesetzt, 20 Plätze bleiben offen. Pro Gruppe sichern sich die beiden Erstplatzierten und die vier besten Dritten das Ticket. Die Rechnung ist simpel: Zwei Ausrutscher dürfen es maximal sein.

Für Deutschland droht ein Horror-Szenario: In der Vorrunde 2026 schoss das Team nur 24 Tore gegen Schweden, kassierte 31. Die Abwehr wackelt, der Kreisläufer Johannes Golla laboriert an der Schulter. Gislason muss innerhalb von acht Monaten eine neue Sieben bauen – und gleichzeitig Hanning die Schleife umdrehen. Ein Balanceakt zwischen Entwicklung und Ergebnis.

Belgien und slowakei warten als joker

Viele sehen Italien als einzigen Gegner, doch das ist ein Trugschluss. Belgien schickt mit Remy Afgour einen Linkshänder, der in der belgischen Liga 127 Tore in einer Saison erzielte. Die Slowakei holte in der letzten Quali gegen Tschechien ein 28:28 – und das ohne Profis aus der Bundesliga. Kleinere Nationen, klar, aber mit dem Killer-Instinkt des Underdogs. Wer hier punktet, kann die Gruppe durcheinanderwirbeln.

Die Fans reagieren direkt. Auf Twitter kursiert schon ein Fotomontage: Hanning als Schachspieler, Gislason als König. Die Debatte ist entbrannt: Verrat oder faire Rivalität? Hanning selbst bleibt diplomatisch: „Ich freue mich auf das Duell mit Alfred. Aber ich arbeite jetzt für Italien – und das bedeutet Sieg.“ Keine Emotion, nur Zahlen. Typisch Hanning.

15 Millionen zuschauer könnten zuschalten

Der Deutsche Handball Bund rechnet laut internen Marktstudien mit bis zu 15 Millionen TV-Zuschauern allein für die Partien gegen Italien. Ein Grund: Die ARD sicherte sich die Rechte, ein Hinspiel live in der Primetime zu zeigen. Das entspricht einer Reichweite von fast 20 Prozent – Rekordzahlen für eine Qualifikation. Die Botschaft ist klar: Handball ist zurück im Mainstream. Das Hanning-Gislason-Duell liefert das perfekte Drehbuch.

Gislason hat bereits die erste Maßnahme ergriffen: Er lädt 45 Spieler ins Leistungszentrum nach Hamburg ein – doppelt so viele wie sonst. Dabei auch Youngster wie Lukas Mertens vom TBV Lemgo, der mit 21 Jahren schon 62 Bundesligatore erzielt hat. Die Devise lautet: Frisches Blut statt alter Strukturen. Denn gegen Hanning reichen Standardformationen nicht. Es braucht Überraschung, Schnelligkeit – und den Biss des Gejagten.

Die Uhr tickt. In 231 Tagen steht Hanning in der Audi-Arena in Bamberg. Dann wird nicht nur ein Spiel entschieden, sondern eine Ära. Entweder bestätigt Deutschland seine Dominanz – oder der Schüler lehrt den Lehrer das Fürchten. Eines ist sicher: Die Quali ist längst kein Schaulaufen mehr. Sie ist ein Krimi mit offenem Ende. Und der erste Akt beginnt jetzt.