Nagelsmann zieht die reißleine: undavs wm-rolle steht fest – und sie ist kleiner als erhofft
Julian Nagelsmann hat gesprochen – und Deniz Undav damit auf den Boden der Tatsachen geholt. Der Bundestrainer verkündete nach dem 2:1 gegen Ghana, dass er den Stuttgarter Torjäger auch bei der WM nicht in die Startelf plant. Die Begründung ist so kalt wie effektiv: Undav sei ein Joker. Mehr nicht.
18 Bundesligatreter, Platz eins im deutschen Ranking – und trotzdem nur 45 Minuten Einsatzzeit in zwei Testspielen. Gegen die Schweiz saß Undav durch, gegen Ghana durfte er nach der Pause ran. Sein Tor in der 83. Minute änderte nichts an Nagelsmanns Grundsatzentscheidung. „Das ist ähnlich, wie es in Stuttgart oft ist“, sagte der Trainer mit einem Unterton, der zwischen Kompliment und Verdikt schwankt. „Er hatte vorher eigentlich wenig mit dem Spiel zu tun.“

„Rollengespräche waren für die wm – nicht für märz“
Undav selbst hatte noch gehofft, Tore könnten seine Rolle verschieben. Nagelsmann blockt ab. „Werden wir sehen“, sagt er, gefolgt von dem Satz, der alles zementiert: „Die Rollengespräche habe ich nicht für die März-Maßnahme gemacht, sondern für die WM.“ Übersetzt: Die Entscheidung steht, und sie ist final.
Die Zahlen sprechen gegen Undav. Seine 18 Treffer kamen zu 70 Prozent nach der 60. Minute. Die Quote fällt rapide, wenn er früher ins Spiel kommt. Nagelsmann weiß das. Er weiß auch, dass ein Stürmer, der nur in der Schlussphase trifft, in einem Turniermodus zum Luxusproblem wird. „Wenn er schon vorher 70 Minuten in den Knochen hat, wird der lange Schritt schwer“, sagt er – und meint damit nicht nur die Beine, sondern auch die mentale Frische.
Nick Woltemade lief gegen Ghana von Beginn an, Kai Havertz gegen die Schweiz. Beide sind Teil von Nagelsmanns Plan A. Undav ist Plan B, C oder D – je nach Spielstand. Die Ironie: Der effizienteste deutsche Schütze muss sich damit abfinden, dass seine Effizienz eben nur in Dosen funktioniert, die der Gegner nicht mehr verkraftet.
Für Undav bleibt nur das Schweigen der Tatsachen. Er wird nach Katar fahren, aber wohl nicht starten. Und wenn er doch trifft, wird es wieder einer sein, der die Statistik bestätigt: spät, wichtig – und trotzdem nur ein Kompromiss.
