Nagelsmann rüttelt die dfb-elf wach: sieg gegen ghana reicht nicht

Mit einem 2:1 schafft Deutschland gegen Ghana den letzten Test vor der WM, doch Julian Nagelsmann sieht die Mannschaft noch lange nicht in Titelform. „Wir sind sehr konteranfällig“, zischt er nach dem Schlusspfiff in Stuttgart und wirft der Abwehr schwere taktische Fehler vor. 25 Minuten lang dominierte die DFB-Elf, dann folgte das bekannte Gedankenkarussell.

Die gleiche unruide wie in der schweiz

Der Bundestrainer erkennt das alte Muster: Ballgewinn, sofortiger Konter, Lücken wie auf dem Oktoberfest. Josha Vagnoman grätscht statt abzulaufen, die Ketten reißen, Ghana trifft zum 1:1. „Im Strafraum haben wir die Mannbindung verloren“, sagt Nagelsmann und klingt dabei wie ein Lehrer, der zum dritten Mal dieselbe Fehlerrechnung korrigiert. Die Fans jubeln trotzdem, weil Deniz Undav in der 78. Minute das 2:1 erzielt – sein zweites Tor in zwei Länderspielen, seine Rolle als Joker festigt sich.

Die erste Halbzeit versprach ein Festival: 68 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse, nur kein Tor bis zur 21. Minute, als Niclas Füllkrug per Kopf trifft. Danach verflacht der Rhythmus, Ghana findet drei Mal die Lücke zwischen den Sechsern und der Abwehr. Nick Woltemade gibt offen zu: „Es wurden zu viele Kontersituationen zugelassen.“ Die Statistik liefert die hässlichen Zahlen: fünf Gegentore in den letzten drei Tests, alle nach Ballverlust in der gegnerischen Hälfte.

Nagelsmann will die wm-gegner selbst jagen

Nagelsmann will die wm-gegner selbst jagen

Nächster Halt: Analysezentrum in Herzogenaurach. Dort schaut sich der Trainer gemeinsam mit Data-Coach Felix Lensing Ecuador gegen die Niederlande an, Deutschlands Gruppengegner. „An der Idee wird sich nicht mehr so, so viel ändern“, sagt er, doch die Code-Worte stehen fest: Umstellung auf 4-2-2-2, druckvolles Gegenpressing, sofortige Rückkehr der Außenverteidiger. Kimmich und Groß sollen als Doppelsechs die Sicherheitsventile bilden – gegen Ghana war es ein Einzelkampf.

Deniz Undav genießt derweil den Ruf, den er sich in Stuttgart erarbeitet hat. „Es war krass zu hören, wie die Fans hinter mir stehen“, sagt der Stuttgarter, während nebenan die Familien der Spieler auf dem Rasen selfies machen. Seine Botschaft klingt wie ein Lebenslauf in 20 Sekunden: „Ich kenne meine Rolle. Aber durch Tore kann sich die Rolle vielleicht verändern.“

Für Nagelsmann bleibt nur ein kleiner Trost: „Besser als gegen die Schweiz“ ist kein Kompliment, sondern ein Notstandsbefund. Die WM rückt näher, die Taktikbrette sind voll gekritzelt, die Entscheidungen stehen an. Am Ende der Pressekonferenz fasst er zusammen, was jeder im Stadion gespürt hat: „Mit einem Sieg lässt es sich besser nach Hause fahren – aber nur, wenn wir die Fehler abstellen, bevor es ernst wird.“