Nagelsmann setzt auf musialas wm-comeback – und einen 18-jährigen bayern-jungen
Julian Nagelsmann schickt Jamal Musiala vorläufig in die Reha, nicht in die Nationalelf. Der Superstar fehlt am Freitag in Basel und am Montag in Stuttgart. Die Schmerzattacke im einst gebrochenen Bein verhindert den Start des WM-Jahres – und eröffnet einem 18-jährigen Bayern-U21-Talent das Tor zum Weltbühnchen.
100-Prozent-ziel statt 100-prozent-einsatz
„Er hat nicht mehr viel Zeit, das steht außer Frage“, sagt Nagelsmann knapp. Dennoch glaubt der Bundestrainer, dass Musiala bis zur WM in den USA, Kanada und Mexiko „auf 100 Prozent“ zurückkehrt. Die Devise lautet: Schmerzfreiheit vor Spielpraxis. „Das Wichtigste ist, dass er gesund ist und dann sein Level erreicht“, betont der 36-Jährige. Die Verletzung vom vergangenen Sommer war „extrem schwer“. Wenn der Körper alarmiert, „dann bist du ein bisschen gehemmt. Du kannst nicht befreit spielen“.
Genau diese Befreiung sucht Nagelsmann in Lennart Karl. Der Jungprofi trainierte in der vergangenen Woche mit der A-Nationalelf, überzeugte sofort. „Sehr auffällig“, lautet das Urteil. „Er hat sich viel zugetraut, aber nicht übertrieben.“ Besonders beeindruckt den Trainer die Ruhe des Teenagers. „Er macht einen angenehmen Eindruck, fußballerisch war es sehr, sehr gut.“ Der Hype um den Shootingstar wirkt auf Karl wie ein leiser Nebengeräusch – und das ist Nagelmanns Kalkül.

Jungwild statt routine – nagelsmanns turnierwaffe
Turniere gewinnt man nicht nur mit Erfahrung, sondern auch mit Unbekümmertheit. „Wenn du so einen jungen Spieler mitnimmst, dann, weil er das Freche verkörpert“, so der Bundestrainer. Karl kann laut Nagelsmann „ein Spiel entscheiden und entscheiden will“. Die Botschaft ist klar: Musiala wird geduldig gemacht, Karl bekommt die Chance, sich für den Sommer zu empfehlen. Die deutsche Elf startet ohne ihren Techniker – aber mit einem 18-Jährigen, der in der Bayern-Interna schon öfter Musialas Stunde übernahm.
Für Musiala bleibt der Countdown bis Juni. Vier Länderspiele im Mai und Juni stehen noch aus. Genug Zeit, um Schmerzen in Spielfreude zu verwandeln. Genug Zeit, um Karl vielleicht wieder auf die Bank zu drücken. Die WM ist noch drei Monate entfernt, doch der Kampf um den Platz im Flugzeug nach Amerika hat längst begonnen.
