Nagelsmann schlägt zurück: stach-return und musiala-aus – der wm-kader, der alle überrascht

Julian Nagelsmann hat die Handbremse gelöst. Sein 26-Mann-Kader für die März-Länderspiele liest sich wie ein Krimi mit zwei Debütanten, sechs Rückkehrern und einem Superstar, der erstmals seit 2021 fehlt. Der Bundestrainer schickt ein Signal: Wer leistet, ist dabei – egal, wie laut die Vergangenheit schrie.

Jonas urbig und lennart karl: fc-bayern-duo rast in die a-nationalmannschaft

Der 20-jährige Jonas Urbig stand gestern noch im Tor des Rekordmeisters, heute steht er zwischen den Pfosten der Nation. Sein Bayern-Kollege Lennart Karl (19) folgt als Sechser – beide profitieren von Nagelsmanns klarem Plan: Jugend soll Druck machen, nicht nur Dekoration sein. Urbig holte in der Regionalliga-Bayern-Elf 9 von 10 Spielen die Null, Karl führt die U23 der Münchner als Kapitän und schoss in dieser Saison schon fünf Tore aus der Distanz.

Doch der größte Paukenschlag trägt einen anderen Namen: Anton Stach. Der Leeds-Sechser war nach seiner letzten Nominierung im Juni 2022 aus dem Raster gefallen, kritisierte im Herbst öffentlich das Desinteresse des DFB, und Nagelsmann antwortete unverblümt mit einer Abwägung über „raumbezogene Schwächen“. Jetzt sitzt Stach wieder im Flieger nach Frankfurt – 1.500 Minuten in der Premier League sprechen für ihn, 13 Balleroberungen im letzten Leeds-Spiel gegen Chelsea waren Liga-Spitze.

Deniz undav und pascal groß: brighton-doppelschlag sorgt für gesprächsstoff

Deniz undav und pascal groß: brighton-doppelschlag sorgt für gesprächsstoff

Stachs Klubkollege Deniz Undav feiert ebenfalls ein Comeback. Der Stürmer warnte zuletzt mit 16 Toren in 24 Partien die Konkurrenz – und zwar per Instagram-Story. Nagelsmann ließ die Zahlen sprechen: 0,78 Tore pro 90 Minuten, nur Erling Haaland liegt in Europas Top-5-Ligen vor ihm. Pascal Groß komplettiert das Brighton-Trio, kehrte im Winter aus Dortmund zurück und liefert seitdem 2,3 Schlüsselpässe pro Spiel. Der 33-Jährige ist der älteste Neuling seit Mario Gómez 2017.

Die Rückkehr von Kai Havertz und Antonio Rüdiger war absehbar, trotzdem bemerkenswert: Havertz absolvierte nach seiner Sprunggelenksblessur nur 72 Minuten für Arsenal, Rüdiger fehlte Real Madrid im Clásico. Beide sollen gegen die Schweiz (27. März) und Ghana (30. März) Spielpraxis sammeln – ein Testlauf vor dem WM-Endspurt im Sommer.

Warum musiala fehlt – und warum das kein tabu mehr ist

Warum musiala fehlt – und warum das kein tabu mehr ist

Jamal Musiala bleibt zu Hause. Kein Knie-Problem, keine Muskelblessur – nur ein leererTank. „Wir geben ihm Luft, damit er wieder an seine Decke stößt“, sagte Nagelsmann in der Pressekonferenz. Die Zahlen stützen ihn: Musialas xG-Minus von -2,8 seit Januar ist Bundesliga-Bottom-10. Stattdessen rückt Florian Wirtz ins Zentrum, an seiner Seite Joshua Kimmich – ein Duo, das in der Nations-League-Gruppenphase 4,1 Passketten pro Spiel in den Strafraum spielte, Musiala-Kimmich kam auf 2,7.

Niclas Füllkrug fehlt ebenfalls. Die AC Milan-Leihgabe schoss in Serie C zwar vier Tore, braucht aber noch sieben Schüsse pro Treffer – im Team-Schnitt sind es 3,9. Nagelsmann will keine Notlösung, sondern einen Neuner, der trifft, bevor der Gegner pfeift.

Wer dagegen aussortiert wurde, trifft hart: Maximilian Beier und Karim Adeyemi lernen, dass Tempo allein keine Eintrittskarte ist. Beier lief 21 Sprintduelle in dieser Saison nur zu 38 % gewonnen, Adeyemi verlor in den letzten fünf Spielen 28 % seiner Zweikämpfe – beide Werte unter Team-Durchschnitt. Said El Mala fehlt wegen einer Adduktoren-Reizung, die Köln intern als „nicht kompatibel mit Nationalteam-Belastung“ einstuft.

Nagelsmanns Fazit fällt knapp aus: „Wir bauen keine Schönwetter-Elf, sondern ein Wetterschiff für Katar-Druck.“ Die WM ist in 244 Tagen. Gegen die Schweiz wird er erstmals sehen, ob seine Mischung aus Revanche und Risiko aufgeht. Die Antwort gibt’s live – und ohne Rückholschiene.