Nach krawall vor klassiker: polizei deckt geplante randale von bayern-ultras auf
Was als hitziges Duell auf dem Rasen begann, entpuppte sich vor dem Stadion als akkurat inszenierter Gewaltakt. Beim 2:3 des FC Bayern in Dortmund versuchten rund 40 vermummte Anhänger, eine Kontrollschleuse zu stürmen – und lösten damit eine Serie von Strafanzeigen aus, die das Spiel in den Schatten stellt.
Die szene, die alles auslöste
17 Minuten vor Anpfiff, kurz nach 18 Uhr, rückt ein schwarzer Block an der Südtribünen-Ecke in Position. Handys filmen, wie Störungskräfte versuchen, die Trenngitter zu überwinden; Sicherheitsleute stemmen sich dagegen, ein Durchbruch gelingt nicht. Die Polizei spricht von „arbeitsteiligem Vorgehen“: einige Fans lenkten ab, andere wollten ungeprüft ins Stadion. Fünf Beamte trugen Platzwunden und Prellungen davon, 30 Anzeigen wurden aufgenommen – wegen Körperverletzung, Beamtenbeleidigung, Drogen- und Ausweisdelikten.
Die Südkurve München konterte in der Nacht mit scharfen Vorwürfen: „schwere gewalttätige Übergriffe“ der Polizei, „willkürliche Schläge“ auf friedliche Fans. Die Dortmunder Polizei lässt das nicht stehen. „Die reflexhafte Schuldzuweisung wirkt nach Ansicht der Videodaten mehr als befremdlich“, sagt Vizepräsident Achim Stankowitz. Die Aufnahmen würden „ein klares Bild“ liefern und in das Strafverfahren einfließen.

Borussia dortmund stellt sofort strafantrag
Der BVB distanzierte sich postwendend. Kurz nach Abpfiff erstattete der Klub Anzeige wegen Hausfriedensbruchs, weil die Gruppe ohne gültige Tickets und ohne Sicherheitsdurchleuchtung einsteigen wollte. Für die Fanbeauftragten des Vereins ist der Vorfall ein Schlag ins Gesicht: Man habe in den vergangenen Jahren viel Geld in Deeskalations- und Präventionsprojekte gesteckt – und nun lieferten sich eben jene Ultra-Gruppen eine Straßenschlacht, die sich sonst gern als „twelfth man“ des Teams inszenieren.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: von 80.000 Besuchern verhielten sich 99,9 Prozent friedlich. Der Rest – laut Polizei „ein winziger, aber lautstarker Teil“ – sorgt nun für Imageschaden und Nachspiel. Die 30 Strafanzeigen sind nur der Anfang; weitere Ermittlungen wegen schwerer Landfriedensbrüche laufen. Die Videos sind sicher, die Personalien teilweise geklärt. Derweil diskutiert die Liga erneut über verschärfte Stadionbann-Listen und obligatorische Video-Einlassschleusen.
Am Ende bleibt ein bitterer Beigeschmack. Ein Klassiker, der wegen Toren und Tempo hätte erzählt werden sollen, wird zum Schauplatz von Randalierern, die sich selbst für unfehlbar halten. Die bittere Bilanz: drei Punkte für Dortmund, fünf verletzte Polizisten und ein Imageschaden, der langfristig weitaus schwerer wiegt als die 2:3-Niederlage der Münchner.
