Nach 677 tagen: gschweidl trifft – und erzählt vom leben danach

Bernd Gschweidl lacht wieder. 677 Tage hat er gezählt, bis das Leder am 16. September erstmals wieder hinter der Linie landete. Dann klatschte er sich mit dem rechten Fuß ab, ließ den Blick kurz schweifen und wusste: Alles war richtig.

Der tag, an dem der ball endlich wieder zählte

Der Jokertreffer gegen Rapid II war kein normales Tor. Es war ein Statement. „Es war ähnlich wie das Bild, das ich mir in der Reha immer wieder vor Augen geführt habe“, sagt er, während er die Hand seiner Frau Lisa umklammert. Neben ihr sitzt Sohn Lion, fünf Monate alt, erstmals im Stadion. „Fast ein bisschen kitschig“, sagt Gschweidl und grinst. Aber Kitsch ist erlaubt, wenn man 677 Tage lang auf diesen Moment gewartet hat.

Die Liste seiner Blessuren liest sich wie ein Lehrbuch der Sportmedizin: Kreuzbandriss, Comeback, erneuter Kreuzbandriss, Seitenbandriss, Sehnenentzündung. „Mich hat keiner mehr am Radar gehabt, außer meiner Frau“, sagt er. Lisa war Anker und Antrieb. Die Geburt von Lion wurde zum Energiebooster.

St. pölten ist nicht nur klub – es ist zuhause

St. pölten ist nicht nur klub – es ist zuhause

Mittlerweile leben die Gschweidls in unmittelbarer Nähe zur Stadtsportanlage. Statt Ferrari – einst ließ Lajos Détari damit aufschlagen – kommt Bernd mit dem E-Scooter. Er arbeitet als Co-Trainer der U-16, macht gerade die B-Lizenz. „Ohne die Verletzungen hätte ich die Zeit nie gehabt“, sagt er. Mario Prochaska, sportlicher Leiter der Akademie, schwärmt: „Er passt fachlich und menschlich super zu uns.“

Die zweite Meisterschaft hat Gschweidl schon gefeiert – 2015/16 mit dem SKN, 2019/20 mit Ried. Ein dritter Titel? „Ich will nur fit bleiben und jedes Spiel genießen.“ Am Samstag geht’s gegen Austria Salzburg. Gschweidl lacht: „Die bringen Fans mit. Und wenn Stimmung im Stadion ist, bin ich da.“ Danach spielen die Wölfinnen gegen LASK. „Richtig cool“, findet er. Gemeinsam Sport erleben – das ist seine neue Mission.