Weathers packt aus: bruder-rauswurf traf ihn „wie ein truck“ – trotzdem glaubt er ans wunder

Ein Sieg in Frankfurt, fünf Finals vor der Brust und trotzdem nur ein Bein in der BBL: Michael Weathers redet Klartext über den Saison-Crash der MLP Academics, die Trennung von seinem Bruder Marcus und warum er trotz allem noch an das Ding da unten glaubt.

„Wir haben uns auf dem vordermann ausgeruht“

Die Nackenzahl ist gnadenlos: vier Siege aus 29 Spielen, Abstiegsrang drei, zwei Zähler Rückstand auf Jena. Doch wer den 23-jährigen Guard jetzt erwartet, den Kopf hängen zu lassen, kennt ihn schlecht. „Wir können jedes Viertel gewinnen, wenn wir wollen“, sagt Weathers und klingt dabei nicht wie ein Motivationsroboter, sondern wie jemand, der sich selbst zuletzt wieder gefunden hat. Der 93:73-Coup bei den Fraport Skyliners war der erste Beweis, dass die Academics nicht nur theoretisch leben.

Der zweite Beweis muss bis Sonntag (18.30 Uhr) gegen Ludwigsburg her. Dann steht Weathers zum letzten Mal in Heidelberg auf dem Parkett – das hat er längst beschlossen. „Ich brauche einen Neuanfang, wo ich nicht an jedem Korridor an meinen Bruder erinnert werde.“

Marcus‘ rauswurf „war keine sportliche entscheidung“

Marcus‘ rauswurf „war keine sportliche entscheidung“

Die Geschichte klingt wie ein Drehbuch, das keiner bestellt hat. Marcus Weathers kommt 2022 als Pflichtprogramm für Michaels Vertragsverlängerung, führt das Team in Effizienz, fliegt trotzdem im Dezember raus. „Keiner hat uns erklärt, warum. Es war, als würde dir jemand die Familie wegnehmen und keine Gründe nennen.“ Die beiden hatten sich nach dem frühen Tod der Eltern zugesagt, nie getrennt zu spielen. Jetzt telefonieren sie täglich, Plan B heißt Europa – gemeinsam.

Intern riss der Schritt Risse. „Plötzlich war klar: Wir sind nur Arbeitskräfte, keine Academics-Familie“, erzählt Weathers. „Manche Jungs haben angefangen, privat schon wieder Koffer zu packen.“

Finetti zündet die rest-benzindecke

Finetti zündet die rest-benzindecke

Mit Carlo Finetti kam ein Coach, der keine Therapiegruppe leiten will, sondern einen Abstiegskeller. „Danny Jansson ist ein Freund fürs Leben, aber er hat uns nach dem Viertelfinal-Erfolg schlafen lassen. Carlo knallt morgens um neun die Clips an die Wand: jedes Mal, wenn wir nicht zur 50-50-Grätsche gehen. Das tut weh, aber es wach auf.“

Die Zahlen sprechen halb dafür: Seit Finetti das Ruder übernahm, kassiert Heidelberg acht Punkte weniger pro 100 Possessions. „Wir sind noch lange keineswegs gut, aber wir haben eine DNA wieder: verteidigen, rennen, zweiter und dritter Angriff.“

Restprogramm der superlative

Restprogramm der superlative

Oldenburg (A), MBC (H), Jena (A), Rasta Vechta (H) – alles Finals. „Wenn wir vier davon holen, sind wir drin. Punkt.“ Die Rechnung ist simpel, die Gegner nicht. „Aber schau dir an, was wir gegen Frankfurt gemacht haben. Die hatten gerade Playoff-Ambitionen, wir hatten den Ruf des Absteigers. Trotzdem haben wir sie weggespült.“

Und wenn es nicht reicht? „Dann bin ich trotzdem stolz, dass wir nicht den Kopf in den Sand gesteckt haben. Aber ich fliege nicht nach Heidelberg zurück, um Abschied zu feiern. Ich fliege zurück, um zu gewinnen. Alles andere wäre ein Geschenk an die, die uns im Dezember aufgegeben haben.“

Die Uhr tickt. Noch 200 Minuten Basketball können über eine Saison, eine Stadt und zwei Brüder entscheiden. Für Michael Weathers ist das keine Drama, sondern eine Chance. „Wir sind die einzigen, die noch an uns glauben. Genau deshalb kann es klappen.“