Muskatewitz schlägt tschechien im bonustakt – deutsche curling-maschine rollt richtung playoff

Salt Lake City zittert. Nach 16 Schüssen, zwei Auszeiten und einem eisernen letzten Stein landet Marc Muskatewitz auf dem Button, der Puck bleibt liegen – 8:7 gegen Tschechien. Die Olympia-Halle von 2002 rast, und Deutschland bleibt in dieser WM ohne Kratzer.

Die neun ist die neue eins

7:7 nach zehn Ends, das klingt nach Stellung, war aber ein Pulverfass. Die tschechische Führung hatte sich mit einem Triple-Take-Out gelöst, doch die deutsche Endrotation drehte den Hammer in einer Nuss. Muskatewitz ließ den Draw-Weight bei 3,2 Sekunden stehen, die Ice-Crew hatte die Schnelligkeit um 0,4 Sekunden angehoben – genug, um die bösen Bahnen zu entschärfen. Das Extra-End war keine Lotterie, sondern ein Kraftakt: Benny Kapp räumte die Guard-Position, Mario Trevisiol legte den Freeze, und Muskatewitz schloss mit einem Board-Weight, den selbst die Hawk-Eye-Kamera erst im Zeitlupenmodus erkannte.

Die Statistik lügt nicht: 92 Prozent Take-Out-Quote, 86 Prozent Draw-Quote – Zahlen, die selbst die kanadische Kommentatorenbank verstummen lassen. Die deutsche Mannschaft hat in zwei Spielen 18 Punkte erbeutet, nur Schweden und Schottland liegen mit einem besseren Shot-Peiffer vorne. Das kleine deutsches Einser-Rating steigt auf 42,3, ein Rekordwert seit der Einführung der neuen Curling-Auswertung 2023.

Von cortina bis utah: die trendwende ist gemessen

Von cortina bis utah: die trendwende ist gemessen

Vor zwei Monaten noch enttäuschte das Team in Cortina d’Ampezzo mit Platz sieben, der Medaillen-Traum zerbarst an zwei letzten Stein-Fehlern gegen Italien. Jetzt sitzt Muskatewitz in Utah an der selben Bank, aber mit anderem Eis. „Wir haben die Peiffer-Statistik neu geschrieben, nicht nur gelesen“, sagt er nach dem Spiel, die Stimme heiser vom Brüllen. Bundestrainer Uli Kapp – kein Verwandter von Benny – spricht von „einer neuen deutschen Schule: weniger Show, mehr Kontrolle, dafür mit Tempo 41 statt 39“.

Die Playoff-Türe steht offen: Bei drei Siegen aus den letzten vier Vorrundenspielen winkt Direkt-Quali fürs Halbfinale. Erster Hürde in der Nacht auf Sonntag: Polen, das mit 1:4 gegen Norwegen gerade den Tiefpunkt kratzt. Die polnische Skip Krzysztof Dominikowski wirft zwar mit 1,78 m derzeit den längsten Back-Raise der Liga, doch seine Draw-Quote bröckelt bei 72 Prozent – ein Geschenk für die deutschen Sweep-Stats.

Am 4. April steht das Endspiel an. Wer dann den Hammer hat, entscheidet sich in den nächsten 72 Stunden. Deutschland hat bereits zwei Siegel auf dem Eis hinterlassen – und die Schwerelosigkeit der schnellen Bahnen im Visier. Die Maschine rollt, und Salt Lake City spürt den Luftzug.