Häcki-gross schlägt zurück: gold-krimi von realp dreht den sprint-auf-den-kopf
Realp – Drei Tage, zwei Rennen, ein Machtwechsel. Lena Häcki-Gross verpasste am Freitag im Sprint gegen Lea Meier Gold, schob sich am Samstag im Massenstart aber genau dieselbe Medaille um den Hals – und ließ ihre Konkurrentin diesmal mit Silber vorlieb nehmen.
Die 29-Jährige setzte im letzten Schuss, letzten Anstieg, letzten Atemzug den Punkt unter eine Meisterschaft, die bis dahin nach Meiers Wunsch verlief. Nach 12,5 km und vier Schießeinheiten hatte Häcki-Gross 19,4 Sekunden Vorsprung – eine Ewigkeit auf der Höhenstrecke im Göschenental.
Meier verspielt sprint-vorsprung binnen 24 stunden
Lea Meier war noch im Zielzelt, als die Siegerin mit ausgebreiteten Armen durchs Ziel fuhr. „Ich habe heute einfach gekämpft wie eine Löwin“, sagte Häcki-Gross, während ihr Atem in der klaren Bergluft noch weiße Wolken zeichnete. „Gestern war Lea schneller, hezt war ich es.“
Die 22-jährige Solothurnerin hatte am Freitag mit einer fehlerlosen Schießrunde und 21 Sekunden Vorsprung den Sprint dominiert. Am Samstag kassierte sie drei Strafrunden – und musste zusehen, wie Häcki-Gross mit nur einem Fehler davonzog. Lydia Mettler aus dem Berner Oberland nutzte die Gunst der Stunde und sicherte sich Bronze.

Finello schießt sich trotz drei fehlern aufs oberste podest
Bei den Männern lieferte Jeremy Finello eine Vorstellung ab, die man so nur im Biathlon erlebt: drei Schießfehler, trotzdem Gold. Der 30-Jährige aus dem Tessin legte auf der Loipe ein Tempo vor, das selbst seine Verfolger mit besserer Trefferquote nicht kontern konnten. Sebastian Stalder (ein Fehler) und Niklas Hartweg (fehlerlos) kamen auf den Plätzen zwei und drei nicht näher als 16,8 bzw. 18,9 Sekunden heran.
„Ich habe heute dem Schicksal gedankt, dass es Biathlon und kein Schießwettbewerb ist“, lachte Finello im Zielinterview. Dabei hatte er am Vortag im Sprint noch hinter Joscha Burkhalter den zweiten Platz belegt. Nun drehte er den Spieß um – und Burkhalter wurde diesmal Vierter.

Realp wird zur schicksalsarena – und zum saisonfinale
Die Schweizer Meisterschaften im verschneiten Realp gelten als inoffizieller Schlusspunkt der Wintersaison 2025/26. Auf 1 536 Metern Höhe wurde nicht nur um Medaillen gekämpft, sondern auch um die letzten Weltcup-Punkte für die Nationsrangliste. Die Veranstalter verzeichneten über 4 000 Zuschauer – Rekord für eine nationale Titelkämpfe im Biathlon.
Die Bilanz der drei Tage: zwei Goldmedaillen für Häcki-Gross und Finello, Silber für Meier und Stalder, Bronze für Mettler und Hartweg. Die Saison ist vorbei, die Rechnung offen: Wer nächsten Winter im Weltcup startet, entscheidet sich im Sommertraining. Die Bilder von Realp werden den Athleten noch lange in Erinnerung bleiben – vor allem jene, auf denen Häcki-Gross jubelnd in die Kamera blickt und die Sonne hinter dem Urner Alpsiegel langsam untergeht. Die nächste Saison beginnt in 180 Tagen. Die Uhr läuft bereits.
