Müller rutscht bei whitecaps erstmals raus – badwal springt ein

Thomas Müller schaut. Und schaut. Der 36-Jährige, der die ersten drei MLS-Partien noch angeführt hat, sitzt beim 1:0-Sieg gegen Minnesota United auf der gelben Bank. Jeevan Badwal, 20, frisch aus der Academy, läuft stattdessen auf seiner Position auf – und liefert die Erklärung schon nach 17 Minuten: Solo über halblinks, Flachschuss, 1:0.

Der jubel galt dem jungen – die frage dem altstar

Der jubel galt dem jungen – die frage dem altstar

Vancouver hatte die Personalie bis zum Warmmachen geheim gehalten. Kein Hinweis im Training, keine Andeutung in der PK. Erst die Aufstellungskarte um 19:58 Uhr Ortszeit bestätigte: Müller ist draußen. Die Begründung von Coach Axel Schuster fiel nüchtern aus: „Wir wollten Tempo nach vorne, Gegenpressing in den ersten 25 Minuten.“ Code für: Wir wollen junge Beine.

Die Zahl, die Schuster dabei im Kopf hatte: 34,3 – die Durchschnittsgeschwindigkeit, die Badwal im Sprintmess-Camp der Whitecaps erreichte, höchster Wert des Kaders. Müller liegt bei 29,7. Der Unterschied hört sich nach wenig an, ist auf der grünen Fläche aber eine halbe Sekunde, die über Offensiv- oder Rückwärtslauf entscheidet.

Trotzdem: Der Deutsche blieb professionell. Kam zur 70. Minute, stellte sich sofort um, leitete das 2:0 durch White mit einem Steilpass ein. Nach Abpfiff klatschte er jedem Teamkollegen ab, ging aber ohne Interview in den Katakomben. Sein Vertrag läuft 2026 aus, die Klausel für ein weiteres Jahr zieht nur bei 25 Einsätzen. Bisher: vier. Die Uhr tickt.

MLS-Insider Steven Sandor twitterte während des Spiels: „Wenn Badwal heute liefert, wird Müller öfter rotieren.“ Geliefert hat er. Die Kanadier feiern sich, vier Siege aus vier Spielen – Rekordstart. Müller muss sich neu erfinden, und zwar schnell. Die nächste Partie folgt schon am Samstag in LA.

Die Lehre aus British Columbia: Selbst Legenden sind in Nordamerika nur so gut wie ihre letzte Sprintstatistik. Badwal ist der neue Liebling, Müller der neue Joker. Er wird siegen müssen – oder wenigstens rennen.