Modena trauert: nina rivetti stirbt mit zehn jahren – klub lahmgelegt

Der Modena FC existiert diese Woche nur noch auf Papier. Sein Herz ist am Sonntagabend stehengeblieben, als Nina Rivetti, zehn Jahre alt, Tochter des Vizepräsidenten Silvio Rivetti, „in den Himmel flog“, wie der Klub in einer Mitteilung schreibt, die klingt, als wäre sie mit Tränen geschrieben.

Kein training, keine presse, keine fans – stadio alberto braglia verstummt

Was folgte, ist eine kollektive Atempause. Training abgesagt. Medientermine gestrichen. Der offizielle Fanshop bleibt am 31. März geschlossen, die Flaggen hängen auf halbmast, und selbst die Gegner aus Reggiana und Parma verzichteten auf ihre sonst so lautstarken Provokationen in den sozialen Netzwerken. Stattdessen fluteten die Kanäle von #SiamoTuttiModena-Nachrichten die Timeline – eine Geste, die in der zänkischen Serie B selten ist.

Die Familie Rivetti steht seit drei Generationen an der Spitze des traditionsreichen Klubs. Carlo, der Präsident, baute den Verein nach dem Bankrott 2018 wieder auf; sein Sohn Silvio fungiert als strategisches Sprachrohr und steht für die neue, data-getriebene Scouting-Ära. Nina galt als Maskottchen der Geschäftsstelle, lief bei Heimspielen als Ballmädchen auf, kannte jeden Spieler beim Vornamen. Wer im Tribünenblock D saß, hörte sie mit heller Stimme „Forza Modena“ rufen – ein Sound, der nun für immer fehlt.

Serie b spielt weiter, doch die uhr im trainingszentrum tickt anders

Serie b spielt weiter, doch die uhr im trainingszentrum tickt anders

Trainer Attilio Tesser sagte den Spielern, sie sollen „nicht den Kopf verlieren, sondern die Erinnerung tragen“. Am Freitag geht es bei Virtus Entella weiter, doch die sportliche Dringlichkeit ist verflüchtigt. Nach sieben Spielen ohne Niederlage und einem Aufstiegsplayoff-Platz als realistischem Ziel droht der Saisonverlauf plötzlich zu kollabieren – nicht wegen mangelnder Qualität, sondern wegen eines Schicksalsschlags, gegen den keine Taktik hilft.

Der Klub wird psychologische Betreuung für alle Nachwuchsspieler anbieten, die mit Nina auf der Klulanlage trainierten. Für die Profis steht ein Seelen-Pastor bereit, eingeflogen aus Reggio Emilia, Pate eines ehemaligen Stürmers. Die Liga zeigte sich „bestürzt“ und kündigte an, in der 31. Runde vor jedem Anstoß eine Gedenkminute einzulegen – ein Protokoll, das bislang nur für verstorbene Ex-Spieler reserviert war.

Die Nachricht sickerte durch WhatsApp-Chats, noch bevor die Presseagenturen sie übernahmen. Ein Jugendspieler postierte ein Schwarz-Weiß-Foto von Ninas Schulterklaps nach einem Sieg gegen Cittadella, dazu das Wort „Capitana“. Der Post wurde 120.000 Mal geteilt – ein beispielloser Wert für die sonst so regional verhaftete Serie B. Die Kommentare lesen sich wie ein digitales Kondolenzbuch: „Irgendwann werden wir wieder jubeln, Nina, aber heute schlagen wir die Augen nach oben.“

Der Modena FC wird wieder Fußball spielen, irgendwann. Doch die Uhr im Stadionoffice tickt seit Sonntagabend anders. Sie zählt keine Sekunden bis zum Kick-off, sondern die Stunden, seit ein zehnjähriges Mädchen den Verein lehrte, dass selbst Aufstieg nur zweitrangig ist. Die Saison kann noch so glanzvoll enden – dieser Titel bleibt unversiegelbar: die erste, die der Klub nicht gewinnen will.