Djokovic packt aus: gold von paris und vaterglück sind seine echten finals

Novak Djokovic sitzt nicht am Trainingstisch, sondern am Küchentisch. Die Schulter tut weh, der Kalender ist leer bis nach Monte Carlo – und genau deshalb redet der 38-Jährige jetzt so offen wie selten. Was er in Vanity Fair Italia sagt, klingt nicht wie PR, sondern wie ein Mann, der weiß, dass jedes Match irgendwann ein letztes ist.

„Ich will mindestens noch einen Grand-Slam-Titel“, formuliert er die Pflicht. Dann kommt der Satz, der bleibt: „Aber am liebsten würde ich die olympische Goldmedaille von Paris noch einmal von vorn erleben.“ Kein Trophäenschrank, keine Siegeldiskussion – nur der Moment, als er Carlos Alcaraz in zwei engen Sätzen zerlegte und Serbien zum ersten Mal olympischen Einzelsieg bescherte. 24 Stunden später war die Schulter angeschwollen, der Körper revoltierte, doch die Erinnerung funktioniert ohne Schmerz.

Die balance zwischen centre court und kinderzimmer

Die balance zwischen centre court und kinderzimmer

Die Familie ist kein Accessoire, sondern seine eigentliche Konkurrenz. „Ich war bei keinem ersten Schultag von Stefan dabei. Tara lernte Radfahren, während ich in Melbourne war“, sagt er und klingt dabei nicht wie ein Star, sondern wie jeder Vater, der seine Diagnose mit dem Job verrechnet. Die Lösung: „Ich buche keine 25 Turniere mehr. Ich buche Termine mit den Kindern und schaue, wo Tennis noch passt.“

Die Zahlen sprechen für sich: 2026 bislang nur zwei Starts, Australian Open und Indian Wells. Monte Carlo fällt aus, Madrid ist fraglich. Die ATP-Weltrangliste? „Ein Nebenprodukt“, nennt er es. Stattdessen plant er ein Wellness-Start-up, das sich an „Langlebigkeit für jeden“ richtet – nicht für Profis, sondern für Väter, die nachts aufstehen und morgens trotzdem joggen wollen.

Dabei bleibt der Blick nach vorn. Los Angeles 2028? „Wenn der Körper mitmacht, bin ich dabei. Aber wenn meine Kinder mich fragen, warum ich nicht zuhause bin, muss die Antwort besser sein als ‚Ich hole nur noch einen Pokal‘.“

Djokovic hat nichts mehr zu beweisen, außer dass er sich selbst nicht verliert. Die Schulter heilt, die Erinnerungen bleiben. Und wenn er in Rom oder Paris wieder aufschlägt, wird niemand fragen, ob er noch Rekorde braucht. Die einzige Frage lautet: War er diesmal pünktlich zum Frühstück mit seiner Familie? Die Antwort entscheidet, ob wir ihn 2028 noch einmal in Olympia-Trance erleben – oder ob Paris 2024 sein wirkliches Endspiel bleibt.