Mikulic knallt bosnien-verband: «ich bin raus – für immer»
Ein einziger Satz zündet am Samstagabend die Social-Media-Timeline im Balkan-Fußball: «Für mich ist die Nationalmannschaft ab heute ein abgeschlossenes Kapitel.» Luka Mikulic, 20, Innenverteidiger des Grasshopper Club, erklärt sich nach seiner Nicht-Nominierung für die bosnische U21 selbst zum Feind des Verbands – und liefert eine Abrechnung, die selten so offen daherkommt.
Mikulic packt aus: nur eine minute, dafür jede menge demütigung
Die Geschichte, die der Zürcher Niederlassungs-Bosnier in einem Instagram-Post zerlegt, liest sich wie ein Lehrstück über verpasste Chancen und verbrannte Brücken. Erst im Oktober lief er für die U21 auf, kam in Reykjavik nur zu einer einzigen Spielminute. «Ob er mich demütigen wollte, weiß er am besten», schreibt Mikulic über Coach Branislav Krunic. Seitdem wartet er auf ein Lebenszeichen – vergeblich.
Der 1,93-Meter-Mann wechselte im Winter von St. Gallen zu den Hoppers, räumte in neun Rückrundenspielen sofort Personal ein und glaubte, endlich den Durchbruch zu wagen. Doch statt des erhofften Nachrufs folgte das Schweigen. «Andere wechseln den Verein und sind sofort wieder dabei, ich bleibe übrig», schreibt er und nennt das System «nicht mehr tragbar». Das Bosnische, das er als Kind flüchtend lernte, klingt plötzlich wie ein Kriegsbericht.

Grasshopper profitiert – super league bekommt einen riesen mit rückenwind
Für die Zürcher wird der Rückzieher zum Glücksfall. Mikulic will sich «voll auf den Club konzentrieren», das verspricht Stabilität in einer Abwehr, die in der laufenden Saison schon 48 Gegentore kassierte. Coach Carlos Bernegger kann sich einen Innenverteidiger mit Nationalteam-Erfahrung und offensichtlichem Selbstvertrauen kaum wünschen. «Er trainiert seit Tagen mit einer Wut im Bauch, die man förmlich spürt», sagt ein Vereinsinsider.
Die Statistik liefert Mikulic recht: In neun Partien nach der Winterpause holte der Tabellenletzte zehn Punkte, nur der FC Basel sammelte mehr. Mit Mikulic an Bord kassierte GC durchschnittlich 1,1 Tore – vorher waren es 2,0. Die Zahl spricht für sich, egal ob in Sarajevo jemand zuhört oder nicht.
Am Sonntag empfangen die Hoppers YB, Mikulic dürfe «bis auf die Knochen» spielen, verrät Bernegger. Wenn er trifft, wird er die Hände hinter den Ohren tragen – sein persönlicher Schweigemodus. Keine Fahne, kein Herz, kein Verband. Nur drei Punkte, die zählen. Und vielleicht ein kleines Zeichen Richtung Balkan: Dort, wo einst seine Heimat war, hat er nun nur noch eine Mission – nämlich die, für die blau-weißen Streifen zu brennen. Der Rest ist Geschichte. Abgeschlossene Geschichte.
