Mélanie meillard schlägt zurück: 7. platz in cortina beendet talfahrt

Sieben. Eine Zahl, die sonst niemand auf die Siegerliste malt. Für Mélanie Meillard war sie am Sonntag im Slalom von Cortina d'Ampezzo ein Sechser im Lotto. Nach acht Weltcup-Fehläufen in Serie, nach Monaten, in denen sie sich selbst und die Skifans fragte, ob sie überhaupt noch Slalom fahren könne, fuhr die 28-jährige Walliserin endlich wieder zwei komplette Läufe. Platz sieben. Jubel wie nach einem Sieg.

Ironie und tränen: „das war auch nicht schwierig!“

Meillard lachte, und das klang in der Mixed Zone wie ein Aufstand gegen die vergangene Saison. „Ich habe gezeigt, dass ich doch noch Skifahren kann“, sagte sie, während die Sonne über den Dolomiten stand und die TV-Kameras endlich wieder ein Mikrofon vor ihr hatten. Das Lachen hatte gefehlt, seit sie beim Saisonauftakt in Levi noch in die Zielmauer rutschte und danach in jedem zweiten Lauf früh ausschied. Swiss-Ski hielt trotzdem an ihr fest, setzte sie für Cortina nominiert – gegen laute und leise Kritik. Nun das: erste Punkte seit 14 Monaten, beste Saisonplatzierung, neues Selbstvertrauen.

Der familiäre Rückenwind half. Bruder Loïc feierte in Cortina Gold, Silber, Bronze – ein kompletter Medaillensatz. Zwischen den Läufen schickten sich die Geschwister Whatsapp-Sprachnotizen, nicht mit Ratschlägen, sondern mit Memes und Kinderfotos. „Er weiß, dass ich keine technischen Tipps brauche, sondern einfach ein normales Gespräch“, sagt Mélanie. Im Sommer wird Loïc Vater, sie wird zum ersten Mal Tante. „Ich liebe Babys. Wenn er mich als Babynanny braucht, bin ich sofort da.“

Blick nach vorne: åre, crans-montana, olympia 2030

Blick nach vorne: åre, crans-montana, olympia 2030

Die Saison ist noch nicht vorbei. Am kommenden Wochenende geht es nach Åre, wo der flachere Hang ihren Stärken entgegenkommt. Meillard rechnet sich Chancen auf das Viertel-Top-Ten-Ergebnis aus, das sie für die WM-Nominierung 2025 braucht. Langfristig zielt sie auf die Heim-WM 2027 in Crans-Montana und Olympia 2030 in den französischen Alpen. „Ich will vor meinem Publikum fahren, vor den Leuten, die mich seit Juniorenzeiten kennen.“

Die Zahlen sind bescheiden: 7. Platz als Saisonbestwert, 205 Punkte Rückstand auf die Spitze. Aber die Zahlen lügen. In Cortina bewies Mélanie Meillard, dass ihre Karriere kein Relikt ist, sondern ein Kapitel, das gerade neu beginnt. Wer sie am Sonntag in die Zielarena kommen sah, wusste: Der Slalom hat wieder eine Zugnummer. Und sie heißt Meillard.