Matthäus enthüllt: wm-triumph 1990 war nicht sein schönster moment

Lothar Matthäus zog nach dem Finale von Rom die Hand durch das kühle Haar, grinste in die Kameras und dachte: Das war's noch nicht. Der WM-Pokal glänzte, die Kollegen jubelten, doch der Kapitän träumte von einem anderen Sommertag.

Die szene, die ihm keine ruhe ließ

Es war der 24. Juni, nicht der 8. Juli. Mailand, nicht Rom. Im San-Siro-Stadion schoss Matthäus einen Strafstoß gegen die Niederlande flach ins rechte Eck. Der Ball klatschte ans Netz, 75 000 Römer explodierten. „Dieses Geräusch“, sagt er heute, „hat sich in mein Rippenfell gebrannt.“

Warum zählt dieser Treffer mehr als das Finale? Weil er die deutsche Mannschaft ins Halbfinale schoss und die Italiener zum ersten Mal für Deutschland jubeln ließ. „Das war keine deutsche Kulisse, das war ein Fiebertraum in Blau“, erinnert sich Matthäus. Die Azzurri-Fans sangen deutsch, winkten schwarz-rot-goldene Fahnen. „So etwas vergisst man nicht, egal wie viele Titel folgen.“

Der pokal war nur metall

Der pokal war nur metall

Matthäus hob den Pokal in den römischen Nachthimmel, doch das Foto kam nie an die Wand. Stattdessen hängt in seiner Münchner Villa ein Schwarz-Weiß-Bild: er, mit Trikot halb hochgerollt, kurz nach dem Elfmeter gegen Holland. Die Muskeln gespannt, der Blick leer, als hätte er das Tor gesehen, bevor der Ball überhaupt flog.

Der 1990er Sommer war ein Sommer der Paradoxien. Deutschland feierte Wiedervereinigung und WM, doch im Kader herrschte Seelenstau. Matthäus: „Wir haben uns gegenseitig nicht ausstehen können auf dem Platz, aber wir haben geliebt, wie wir gewinnen.“ Der Pokal war am Ende nur Metall, die Momente davor waren aus Fleisch und Lärm.

Heute, 36 Jahre später, sitzt der 65-Jährige in seiner Ranch in Texas, streichelt seine Quarter-Horses und lacht über die Ironie: „Der größte Sieg war nie der Endpunkt, er war die Eintrittskarte zu einer Erinnerung, die lauter ist als jede Schulter an Schulter auf dem Podest.“ Die WM war ein Job. Der Elfmeter war Liebe. Und Liebe lässt sich nicht polieren wie Silber.