Márquez rauscht in ungarn wieder ganz nach vorn – und zeigt, wofür er lebt

Marc Márquez verpasst keine Gelegenheit, seine eigene Legende zu schreiben. Am Freitagmorgen in Balaton Park gab der Neunfach-Weltmeister im ersten MotoGP-Freien Training den Takt an – und das, obwohl ihm nach wie vor jeder Bremsvorgang Schmerzen bereitet. 1:31.692 Minuten standen am Ende auf der Uhr, knapp vier Zehntel vor Pedro Acosta. Eine Differenz, die bei Márquez’ körperlichem Zustand wie ein Statement wirkt: Ich bin noch lange nicht fertig.

Die Strecke passt ihm wie ein maßgeschneiderter Anzug. Drei enge Haarnadeln, schnelle Wechselkurven, Asphalt, der bei 33 °C schon nach zehn Minuten klebrig wird. Perfekt für einen Mann, der seine Linie millimetergenau vorhersagen kann, statt sie zu erzwingen. Genau das tat er: einmal ans Limit, dann wieder runterregeln, um den rechten Arm nicht zu überlasten. Die Zeiten kamen trotzdem.

Acosta jagt, yamaha hofft

Pedro Acosta hatte bis 19 Minuten vor Schluss die Bestzeit, danach nur noch die Silbermedaille. Der Murcianer hatte 2025 auf dieser Strecke bereits geglänzt; für KTM, wo der Motor weniger Gewicht hat als sonst, ist Balaton eine echte Chance. Auch Yamaha kann träumen: Toprak Razgatlıoğlu schob sich auf Position drei, nur hundertstel hinter Acosta. Der Türke kennt die Piste aus der Superbike-Saison 2025 – damals feierte er dort einen Dreifachsieg.

Hinten raus setzte niemand mehr frische Reifen auf. Das Timing war egal, die Story lief trotzdem. Raúl Fernández fuhr mit einem WM-Fußball-Helm und wurde immer schneller. Fermín Aldeguer hielt sich lange im engen Verfolgerfeld. Etwas abgeschlagen: Pecco Bagnaia, der wie Márquez auf Medium-Medium-Reifen setzte und mit der Ducati-Factory-Crew kämpfte.

Márquez ohne bruder, zarco ohne bike

Márquez ohne bruder, zarco ohne bike

Wer auf die Namen Álex Márquez und Johann Zarco wartete, sah stattdessen Iker Lecuona und Cal Crutchlow. Beide Routiniers springen für die verletzten Werksfahrer ein. Auch wenn die beiden Ersatzpiloten nicht um Podestplätze fahren werden – ihre Erfahrung bringt wertvolle Daten ins Boxencamp.

Bastianini rutschte in Kurve 5 auf Kies, Quartararo folgte kurz darauf. Kein Drama, nur ein Reminder: Wer hier eine Linie verpasst, landet im Aus. Márquez verpasst keine.

Moto3 und moto2: wieder da und sofort vorne

Moto3 und moto2: wieder da und sofort vorne

David Almansa kam frisch aus dem Fieberbett und fuhr trotzdem die Bestzeit. Carpe und David Muñoz komplettierten das spanische Trio vorn. In der Königsklasse kehrte Ángel Piqueras nach seiner Beinverletzung zurück – Platz 27, aber das Zählerkonto zählt erst ab morgen. Forward ersetzt den langzeitverletzten Navarro durch Iker Zurutuza, der direkt auf Rang 25 landete.

Eine rote Flagge wegen Ölspur von Agius unterbrach die Moto2-Session. David Alonso wich im letzten Moment aus, blieb unverletzt. Danach dominierte Manu González: erste Runde vorn, letzte Runde noch schneller – und das auf abgefahrenen Reifen. Ein Statement, das genauso klar ist wie das von Márquez: Wer hier drückt, muss auch halten können.

Márquez’ letztes FP1-Datum in Ungarn liegt exakt acht Jahre zurück. Nächstes Rennen, gleiche Konstellation. Wenn das kein Omen ist.