Marko zerreißt neue f1-regel: vorbeifahren statt überholen

Die erste Runde in Melbourne war noch nicht zu Ende, da knallte Helmut Marko schon die Wahrheit auf den Tisch: „Vorbeifahren nenne ich das, kein Überholen.“ Der 82-jährige Ex-Berater von Red Bull schaut seit Jahren mit der Lupe der Leidenschaft auf die Königsklasse – und was er in Albert Park sah, lässt ihn die DNA der Formel 1 vermissen.

Energy-management statt bremsduellen

Die Piloten schalteten auf der Start-Ziel-Gerade den Boost ab, um Batterie für die nächste Attacke zu sparen. George Russell und Charles Leclerc wechselten sich 15 Mal an der Spitze ab, aber keiner musste spät bremsen, keiner rutschte über den Kerb, keiner setzte zum Scheunentor an. „Wenn du auf der Gerade vom Gas gehst, damit dein Akku morgen nicht leer ist, ist das Motorsport auf Sparflamme“, sagt Marko im Gespräch mit RTL/ntv und Sport.de.

Die Statistik klingt spektakulär: 37 Positionswechsel in Runde eins. Doch die Datenmaske versteckt, dass die meisten Manöver DRS- und Batterie-Hilfe waren, keine Rad-an-Rad-Kämpfe. „Echte Überholmanöver, wo einer später auf die Bremse geht oder besser aus der Kurve kommt – null“, so Marko. Für ihn ist das neue Reglement „viel zu kompliziert“, selbst er habe die Technik-Papiere nach Seite drei beiseitegelegt: „Zu blöd.“

Mercedes dominiert, china wird zum test

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Was die Show noch flacher macht: Mercedes hat offenbar den größten Zugriff auf die neue Software-Hardware-Mischung. Die Silberpfeile fuhren in Melbourne mit fast einer halben Sekunde Vorsprung pro Runde davon, die Konkurrenz schaltete nur zwischen Save- und Attack-Modus. „Wenn der Vorsprung so bleibt, wird die Saison zur Monolog-Vorstellung“, warnt Marko.

Bereits dieses Wochenende in Shanghai muss die Formel 1 liefern. Der traditionsreiche Shanghai International Circuit gilt als Akku-Killer: lange Gerade, enge Haarnadel, Temperatur-Schock. Dort wird sich zeigen, ob die Fahrer wieder aufs Gas stehen oder weiter vom Gas gehen. Marko bleibt hart: „Der Anfang ist gemacht, aber die Seele des Sports steht noch auf der Eisdecke.“