Bailet schockt mit startnummer 54 – odermatt und von allmen bluffen in courchevel
Matthieu Bailet hat die Abfahrt-Weltspitze mit einem Trainingsschlag aus dem Nichts erwischt. Mit der Startnummer 54 – sonst ein Ticket für Schneechaos und flüchtige Bedingungen – setzte der Franzose im ersten Training von Courchevel die Bestzeit und ließ die beiden Kristallkugel-Rivalen Marco Odermatt und Franjo von Allmen alt aussehen.
Odermatt und von allmen pokern – und verlieren
Die Schweizer Duo-Intrige lief auf Hochtouren: Odermatt fuhr 1,79 Sekunden zurück, von Allmen 1,49. Platz 26 und 19 – keine Handvoll Zähler, aber ein Statement. „Wir testen Setup und Linie“, sagte Odermatt nach dem Lauf mit demonstrativem Lächeln. Doch wer genau hinsah, erkannte die Taktik: Beide ließen die Kante früh aus, sparten Material und Nerven. Ein Pokerspiel, das Bailet mit Vollgas konterte.
Vincent Kriechmayr folgte als Zweiter 0,17 Sekunden hinter dem Überraschungsmann, Stefan Rogentin sicherte der Schweiz noch ein Podest-Plätzchen (+0,27). Dahinter mischte sich Giovanni Franzoni als bester Italiener unter die Top-Six – ein kleiner Seelenbalsam nach seinem Kitzbühel-Coup.

Dsv-team versinkt im mittelfeld
Deutschlands Speed-Hoffnungen trudelten ab Platz 47 ein. Simon Jocher wurde 47., Maximilian Schwarz 69., Anton Grammel 71. Bei 73 Startern ist das kein Ausrutscher mehr, es ist ein System. Kein deutscher Skifahrer liegt im Gesamtweltcup der Disziplin unter den Top-30. Die FIS-Punkte schmelzen – und mit ihnen die Startrechte für nächste Saison.
Das Frühlingswetter spielt verrückt: Plusgrade, weiche Piste, späte Startnummern hatten Vorteil. Bailet nutzte die Spur der Vorgänger, presste in der Hausberg-Kurve früh auf Kante und ließ die Ski bis ins Ziel laufen. Kein Zufall, sondern Rechnung.
Programm verdichtet sich – finale rückt näher
Die zweite Trainingsrunde folgt am Donnerstag, schon am Freitag wird gewählt: Letzte Abfahrt vor dem Finale, Livesignal ab 11.00 Uhr bei Eurosport und HBO Max. Samstag wird der nachgeholte Super-G aus Garmisch-Partenkirchen eingeschoben, Sonntag noch ein Super-G in Courchevel. Danach zieht das Zirkus-Ticket nach Lillehammer: zwei Speedrennen in Kvitfjell, danach ist der Drop-Out-Sommer vorprogrammiert.
Odermatt führt vor von Allmen mit 175 Punkten. Theoretisch reicht ihm am Freitag Platz fünf, um die kleine Kugel zu küssen. Theorie hin oder her – Bailet hat bewiesen, dass Startnummern Lügen erzählen und Favoriten bluten können. Courchevel wird zur Schicksalsfahrt – und die Piste spricht Französisch.
