Mark zimmermann springt in den offenbacher feuerkorb – rettung in 48 stunden
48 Stunden nach dem Knall folgt der Auftritt: Mark Zimmermann steht auf dem Bieberer Berg schon wieder am Trainingspflaster, statt wie geplant am Zielboden der Regionalliga Nordost. Kickers Offenbach hat den 52-Jährigen aus Halle gelotst, um die nächste Herbst-Katastrophe zu verhindern. Seine Mission: den OFC aus Platz 14 und aus den Köpfen der Fans – und das in maximal zwölf Spieltagen.
Warum zimmermann? eine frage der dna, nicht der tabelle
Martin Pieckenhagen spricht von „Bodenständigkeit, Ehrgeiz, Kommunikation und Stabilität“. Gemeint ist: Der Klub braucht jemanden, der zweimal am Tag die Kabinentür zuziehen kann, ohne dass die Mannschaft sich danach auf dem Rasen verläuft. Zimmermann liefert Referenzen, die passen: 57 Drittligaspiele mit Carl Zeiss Jena, 1.500 Minuten Playoff-Stress mit Halle, davor Köln II auf Schleichfahrt durch die Regionalliga-West-Gezeiten. Kurz: Er kenne die Schlammspiele, sagt Pieckenhagen, „die Mannschaft muss nur noch laufen“.
Doch da ist ein Knackpunkt: Laufen will Offenbach seit Wochen nicht. Sechs Punkte aus den letzten sieben Partien, dazu das 0:3 in Balingen, das die Kurve ausrasten und die Geschäftsführung handeln ließ. Kristjan Glibo musste gehen, weil seine Idee von Positionsfußball in der Südwest-Druckkammer nicht mehr als Möchtegern-Bayern wirkte. Nun also ein Coach, der sich auf Schlichtheit versteht: 4-4-2, dichtes Mittelfeld, Standards sofort scharf.

Saisonfinale statt aufstiegsträume – die rechnung pieckenhangens
Die sportliche Situation ist so prekär, dass selbst der Verzicht auf die Relegation zur 3. Liga ein Erfolg wäre. Die Südwest-Staffel gilt als Minenfeld: Ulm ist weg, Stuttgart II, Hoffenheim II und Saarbrücken schwanken. Sollte einer von ihnen doch noch in den Keller rutschen, rutscht Offenbach in die Hessenliga. Die Kalkulation: sechs Siege aus den letzten zwölf Spielen dürften reichen, um die Idiotie des Abstiegs zu verhindern. Und genau hier setzt Zimmermann an: Er hat Halle auf Rang zwei gepusht, indem er aus einer verunsicherten Truppe eine Sieg-Maschine bastelte, die in der Schlussphase 2,1 Punkte im Schnitt holte.
Der erste Härtetest folgt sofort: Samstag, 14 Uhr, Sonnenhof Großaspach. Der Tabellenzweite ist kein Geschenk, aber eine Gelegenheit. Gewinnt Offenbach, springt die Mannschaft vorerst auf Platz zwölf – und die Fans wieder auf die Ränge. Verliert sie, steht Zimmermann nach 72 Stunden Amtszeit schon wieder mit dem Rücken zur Wand. „Ich brauche keine Einarbeitungszeit“, sagt er selbst, „ich brauche Siege.“
Die Leihgabe läuft bis Juni. Danach? Pieckenhagen nennt keinen Kaufoptions-Klausel, spricht aber von „perspektivischer Lösung“. Gemeint: Klappt die Rettung, bleibt der Coach; klappt sie nicht, sucht der OFC weiter – dann aber in der Hessenliga. Für Zimmermann wäre es das zweite Mal, dass er einen Traditionsklub vor dem Absturz in die Amateurliga bewahrt. Er sagt, er habe „nics zu verlieren außer Zeit“. Die hat Offenbach nicht mehr viel.
