Rydzek wirft den anker auf: das ende einer epoche in der nordischen kombination

335 Weltcups, 71 Podeste, 26 Siege – und jetzt Schluss. Johannes Rydzek zieht nach 17 Jahren die Bremse. Am Sonntag in Oslo läuft er seine letzte Runde. Dann ist ein Leben im Weltcup vorbei, das länger währte als manche Ehen.

Der allgäuer, der die nordische kombination veränderte

Rydzek war kein Sprinter, kein Flieger. Er war ein Läufer. Ein Radikal-Läufer. Wenn die Konkurrenz auf der Loipe schon die Segel streichte, drehte er auf. 2017 in Lahti jagte er sich in vier Rennen vier Mal an die Spitze. Olympiasieger 2018. Weltmeister 2013, 2015, 2017. Ein deutscher Rekordler, der nie laut wurde.

Die Karriere verlief nicht linear. Nach der Enttäuschung 2013 schwankte er zwischen Favorit und Außenseiter. Doch er kam zurück. Immer. November 2024: 2.150 Tage ohne Sieg. Dann der Befreiungsschlag in Lillehammer. Die Tribüne tobte, Rydzek lachte wie ein Jugendlicher. „Ich habe nie aufgegeben, weil ich wusste, dass ich es noch mal kann“, sagte er damals.

Abschied mit wehmut und plan

Abschied mit wehmut und plan

Die Entscheidung fiel nicht über Nacht. „Ich habe meinem Körper zugehört“, erklärt er. Die Sprunggelenke knarren, die Oberschenkel brennen. Die Piste wird steiler, die Gegner jünger. „Ich will nicht mehr nur Fünfter werden. Ich will gewinnen – oder gehen.“

Was kommt danach? Ein Job im Verband, ein Studium, ein Ski-Camp für Kids? Rydzek schweigt, lächelt nur. „Ich bleibe der Kombination erhalten.“ Mehr verrät er nicht. Sein Manager sagt: „Er wird nicht verschwinden. Aber er wird nicht sofort die Kamera suchen.“

Am Sonntag in Oslo wird die Loipe zur Bühne. Die Organisatoren planen eine Ehrenrunde. Die Fans bringen Schilder mit „Danke, Johannes“. Rydzek wird winken, vielleicht weinen. Dann wird er die Ski ausziehen – und zum ersten Mal seit 2007 nicht mehr starten müssen.

Ein Zeitalter endet. Die Nordische Kombination verliert ihren stillen Herrscher. Die Loipe wird leiser. Die Zeit bleibt stehen – für genau 57 Sekunden. Dann geht der Sport weiter. Ohne Rydzek. Aber mit seinem Spiegelbild in jedem Läufer, der hinterherjagt.