Mainka geht auf 100: heidenheims eisblock, der nie schmilzt
Wenn der Anpfiff in der Allianz Arena ertönt, schraubt sich ein Spieler in den Himmel der Statistik. Patrick Mainka bestreitet dann als erster FCH-Profi die komplette Jahrhundert-Bundesliga seiner kleinen Ostalb-Kicker – 99 Mal lief er durch, kein Krankenlager, keine Gelbsperre, kein Auswechselmimikry. 1968 war Berti Vogts der Letzte, der so etwas wagte.
Ein verteidiger, der foult wie ein flügelstürmer
Die Zahl, die alle Scout-Excel-Tabellen sprengt: alle 349 Minuten rückt Mainka einmal zu spät. Kein anderer Feldspieler mit mehr als 2000 Minuten in dieser Saison verursacht seltener einen Pfiff. Dabei gewinnt der 31-Jährige 63,6 Prozent seiner Zweikämpfe – bundesweit Spitzengruppe, in Heidenheim Platz eins. Gelbe Karte? Eine. Man fragt sich, ob er heimlich Schneiderei studiert, so sauber tritt er die Gegner aus dem Dress.
Die Folge: 99x 90 Minuten, 8910 ununterbrochene Spielminuten seit dem Aufstieg. Kein Wechsel, kein geplatzter Muskel, kein Virus, kein Suspendierungsbescheid. Dazu zwei Tore, zwei Assists, 33 Schüsse – alles Karrierebestwerte. Wenn man Mainka fragt, antwortet er mit dem Gesicht eines Mannes, der morgens aufsteht und das Abendessen schon abliefert: „Ich bin einfach nur da.“

Rekordjagd in münchen – und vielleicht letzter tanz
Die Reise dorthin riecht nach Abschied. Ein Punkt trennt den FCH vom rettenden Ufer, Bayern wartet, danach müssen Wolfsburg oder St. Pauli patzen. Geht Heidenheim runter, bleibt Mainkas Serie trotzdem – aber dann in Liga zwei. Für den Kapitän wäre das keine Strafe, sondern eine neue Bühne. „Ich spiele, solange die Beine mitmachen“, sagt er, und klingt, als hätten die Beine bereits zugesagt.
Die Allianz Arena wird ihn feiern, weil Rekorde selbst gegnerische Fans berühren. 60 Jahre nach Vogts’ Marathon schreibt ein Abwehrrechener aus Gütersloh Geschichte – mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass Zahlen lügen, aber Laufwege nicht. 100 Spiele, 100 Mal durch, 100 Mal unverdrossen. Wenn Mainka am Samstag den Rasen betritt, schlägt kein Herz lauter als seine Statistik.
