Magdeburg wirft berlin aus der meisterspur – acht punkte vorsprung, ein sieg fehlt

35:33 – die Zahl, die Berliner Meisterträume zerbröseln lässt. SC Magdeburg dreht einen 15:15-Pausenstand gegen die Füchse in eine Gala der zweiten Halbzeit und fährt den nächsten Schritt zur absoluten Vorentscheidung. Acht Punkte liegen zwischen dem Champions-League-Sieger und dem Titelverteidiger, mit noch fünf Spielen auf der Uhr klingt das nach Todesstoß für die Hauptstädter.

Die Anzeigetafel im GETEC Arena-Kessel spiegelt puren Theaterstaub wider. Magnus Saugstrup jagt neun Kreisläufer-Treffer in die Maschen, Mathias Gidsel antwortet mit elf – und trotzdem stehen die Füchse am Ende mit leeren Händen da. Der Grund: Matej Mandic legt sich nach dem Seitenwechsel eine Schutzwall-Parade nach der anderen vor, während Dejan Milosavljevs Zauber im ersten Durchgang verpufft.

„Die meisterschaft liegt 100 prozent in unseren händen“

Gisli Kristjansson atmet tief durch, dann platzt es heraus: „Nur noch unser Kopf kann uns stoppen.“ Der Isländer spricht das aus, was seit Wochen im Hinterkopufer der Liga kreist: Magdeburg ist nicht nur spielerisch, sondern auch mental auf einer anderen Ebene. Die Art, wie die Mannschaft nach dem 18:20-Rückstand in der 38. Minute vier Tore in Serie erzielt, wirkt wie ein Lehrstück in Kontereffizienz und Nervenstärke.

Bennet Wiegert lobt nicht nur Mandic, sondern auch die Magdeburger Kurve, die nach der Pause Schlagzeilen wird. „Die Jungs spüren jeden Schrei, wachsen buchstäblich über sich hinaus“, sagt der Coach und klingt dabei fast schon wie ein Soziologe, der die Macht der Masse erforscht. Die Statistik gibt ihm recht: In dieser Saison gewann der SCM 13 von 14 Heimspielen – kein anderes Team ist so sehr „Castle Magdeburg“.

Kiels em-panne, flensburgs verlorene sekunden, berlins letzte rakete

Kiels em-panne, flensburgs verlorene sekunden, berlins letzte rakete

Während die Füchse nach Kiel schielen, wo der THW am Freitag bei Melsungen die letzte Meisterhoffnung verspielte, muss auch Flensburg realisieren: Die Jagd ist so gut wie vorbei. Die SG steht zwar punktgleich mit Berlin, hat aber das schlechtere Direktverhältnis gegen Magdeburg. Die Restprogramm-Analyse spricht Bände: Gewinnt der SCM am kommenden Samstag in Lemgo, kann er vor eigenem Publikon gegen Balingen den Sack zumachen – und die Meisterschale wäre so sicher wie das Anpfiffen der nächsten Partie.

Nicolej Krickau wischt sich mit der Hand über das Gesicht. „Am Ende fehlten fünf Prozent, die wir nicht mehr herbeizaubern konnten“, sagt der Berliner Trainer und klingt, als hätte er gerade ein Buch über Leid und Handball gelesen. Die Füchse verlieren trotz 61-prozentiger Trefferquote, trotz sieben Toren Vorsprung beim Seitenwechsel und trotz Gidsels Galavorstellung. Die Niederlage schmerzt doppelt: Weg vom ersten Platz, weg vom letzten Strohhalm.

Die Tabelle lügt nicht: Magdeburg 52:6 Punkte, Flensburg 45:13, Berlin 44:14. Selbst wenn die Füchse alle fünf Spiele gewinnen und Magdeburg alles verliert, reicht es maximal für den Vizetitel. Die Meisterschaft? Die bleibt in Sachsen-Anhalt – und wird am 14. Juni im eigenen Stadion gefeiert, sollte das Team nur ein einziges Mal die Hände heben.

Ein letztes Zitat bleibt hängen, gesprochen von einem glückstrunkenen Kristjansson im Mixed Zone: „Wir haben heute bewiesen, dass wir nicht nur Europas Krone tragen, sondern auch Deutschlands Krone holen wollen.“ Die Krone ist bereit, nur noch die Krönung fehlt.