Magdeburg und berlin gelten als titelanwärter – doch der bhc schlägt zurück
Köln wird zum Kessel. 20.000 Zuschauer in der ausverkauften Lanxess Arena, vier Teams, ein Pokal – und ein Wochenende, das die Saison vorzeitig entzündet. Beim Final Four um den DHB-Pokal treffen der Champions-League-Sieger SC Magdeburg und der Meister Füchse Berlin auf zwei Außenseiter, die sich nicht in die Statistikerrolle drängen lassen wollen.
Magdeburg vor dem ersten schritt zum triple
Bennet Wiegert schaut nicht auf die Tabelle. „Der BHC hat uns in der Liga an die Wand gespielt“, sagt der SCM-Coach vor dem Halbfinale gegen den Bergischen HC. Gemeint ist das 29:29 vor zwei Wochen, als der Aufsteiger Magdeburg in der eigenen Halle demontierte und nur ein spätes Tor die Niederlage verhinderte. Für den Bundesliga-Tabellenführer ist der Pokal der erste Brocken auf dem Weg zum Triple – und gleichzeitig die größte Falle. „Wir sind gewarnt“, sagt Wiegert. „Aber gewarnt sein reicht nicht. Wir müssen liefern.“
Die Zahlen sprechen für Magdeburg: zwölf Siege in Serie, 401 Tore in 22 Spielen, keine Niederlage seit November. Doch genau diese Rolle als Top-Favorit macht das Viertelfinale zum Selbstversuch. „Wir haben uns die Favoritenrolle erarbeitet“, sagt Wiegert. „Jetzt müssen wir sie auch ertragen.“

Berlin und lemgo – ein finale vor dem finale
Eine Stunde vor Magdeburg treten die Füchse auf. Gegner: TBV Lemgo Lippe, 34:33-Sieger am Sonntag dank eines Gidsel-Tors in letzter Sekunde. Mathias Gidsel, Welthandballer 2023, trägt in Berlin die Last des ersten Titels seit 2014. „Wir kennen Lemgo, wir kennen den Druck, wir kennen die Arena“, sagt Gidsel. „Aber kennen heißt nicht besiegen.“
Lemgo hat nichts zu verlieren. Trainer Florian Kehrmann schickt seine Mannschaft als Jäger, nicht als Gejagte. „Jeder ist heiß drauf“, sagt er. „Wir fahren zum wahrscheinlich tollsten Event des Jahres – und wir wollen mehr sein als Statist.“ Für Lemgo wäre es der fünfte Pokalsieg, für Berlin der zweite nach zehn Jahren Durststrecke.
Die Füchse haben die stärkste Offensive der Liga (398 Tore), Lemgo die unberechenbarste. Dreimal trafen sich beide in dieser Saison, zweimal ging Berlin mit einem Tor Differenz als Sieger vom Platz. Die Bilanz ist keine, sie ist ein Wink mit dem Zaunpfahl: Hier entscheidet sich früh, ob der Favorit seine Rolle ausfüllt oder der Underdog die Arena zum Kochen bringt.

Led-boden und alte seelen
Neuer LED-Glasboden, 30 Tonnen Equipment, Show-Acts zwischen den Spielen – die HBL zieht alle Register, um den „Super Bowl des Handballs“ aus dem Marketing-Klischee zu retten. Frank Bohmann, Ligachef, spricht offen über neue Zielgruppen. „Ein Purist würde sagen: Spielt wieder auf Vinyl. Wir sagen: Kommt, schaut, bleibt.“
Für die Spieler ist der Boden Nebensache. „Wir würden auch auf Beton spielen“, sagt Bergisches-Torhüter Christopher Rudeck. „Unser Herz liegt auf der Platte, nicht im Untergrund.“ Der BHC hat in dieser Saison schon bewiesen, dass er Großes wachrütteln kann. Nun wartet der nächste Riese.
Magdeburg gegen Bergischer HC, 18.45 Uhr. Berlin gegen Lemgo, 15.45 Uhr. Am Sonntag um 14 Uhr der Finaleinzug. Die Karten sind weg, die Teams bereit, die Arena gespannt. Wer am Ende den Pokal hebt, entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern in 120 Minuten Handball, in denen sich Selbstbewusstsein und Selbstzweifel die Waage halten. Die Saison ist noch jung – der erste Titel ist schon alt.
