Magdeburg gegen berlin: das duell, das die hbl vor die wand fährt

Samstag, 16.05 Uhr, ARD live: Der SC Magdeburg empfängt die Füchse Berlin – und plötzlich zittert selbst die Daikin-HBL-Statistik. Sechs Punkte trennen die beiden deutschen Supermachten, aber die Differenz spielt keine Rolle, wenn sich Sergey Hernandez und Dejan Milosavljev im Tor die Handschuhe ins Gesicht schleudern. Beide Keeper verabschieden sich nach dieser Saison, beide wissen: Wer heute verliert, fliegt auch aus der Kopfzeile der Sportzeitungen.

Torwart-feuerwerk statt siebenmeter-ballet

Hernandez trägt 31,4 % gehaltene Bälle wie einen Rucksack – und trotzdem nagt an ihm der Makel der letzten drei Spiele: keine Quote über 26 %. 15 Tore hat er selbst erzielt, wenn der Gegner mit leerem Netz agiert. Milosavljev hingegen lebt vom Moment: 21 Paraden im Viertelfinale gegen Bukarest, 29,7 % Saisonquote, aber vor allem die Ruhe, mit der er Ein-gegen-eins-Situationen zerstört. Ein letztes Mal wird der Serbe in der HBL seinen linken Fuß auf die Linie stemmen, bevor er nach Kielce abfliegt. Für ihn ist das Spiel ein Lebenslauf-Abschnitt, nicht nur eine Statistik.

Kreisgefecht auf 2,03 meter höhe

Kreisgefecht auf 2,03 meter höhe

Magnus Saugstrup ist Magdeburgs Dauerbrenner: 61 Treffer, 69 % Wurfquote, dazu ein frischer EM-Titel im Gepäck. Er blockt, passt, wirft – und lässt neben sich ein Konglomerat aus Bergendahl, Jonsson & Co. auflaufen, das sich ständig verschiebt wie ein Rubik-Cube. Gegenüber: Mijajlo Marsenic, 2,03 Meter Motivationsmaschine. 56 Tore, 70 % Quote, aber seine wahre Währung ist Energie. Wenn er aufschreit, zuckt selbst die gegnerische Bank. Zwei Kreisläufer, zwei Kompass-Spieler – und nur einer darf heute Nordpol bleiben.

Spielmacher mit handicap

Spielmacher mit handicap

Gisli Kristjansson lief bis zur WM im Januar auf Überholspur, danach schaltete jemand den Isländer runter. 102 Tore, 112 Assists klingen nach Power, doch Coach Wiegert sagte nach dem 27:25 in Wuppertal: „Gisli war annähernd abgemeldet.“ Ein Satz, der im Protokoll brennt. Nils Lichtlein tuckert mit kaputtem Vorfuß durch die Halle, sagte Nationalmannschaft ab – und lieferte prompt sieben Treffer und sechs Vorlagen gegen Erlangen. 71 % Wurfquote, 4,3 Tore pro Spiel. Der 23-Jährige spielt sich in Echtzeit aus der Verletzung heraus, während Kristjansson sich aus der Form herauswurschtelt. Wer die Puste verliert, verliert auch den Ball.

Superstar gegen superstar – wer trifft zuerst die wand?

Ómar Ingi Magnusson schleppt 183 Buden durch die Gegend, 68 Siebenmeter, 68 Assists. Sein Linkshand-Gen schaltet sich automatisch, wenn der Druck steigt. Aber auch er spürt den kleinen Riss im Teppich der letzten Wochen. Gegenüber: Mathias Gidsel. Olympiasieger, Weltmeister, dreimal Welthandballer – und trotzdem keine Legende aus der Retorte. 227 Tore in der Liga, 120 in der Champions League, 104 Assists, 9 Treffer pro Spiel. Zahlen, die wie Schulnoten wirken: Eins mit Sternchen. Stoppen lässt sich der Däne nur mit Fouls oder mit Manndeckung, die an Grenzverletzung grenzt. Frage ist nicht, ob er trifft – sondern wie oft er dafür applaudieren muss.

Am Ende zählt kein Duell einzeln, sondern das Mosaik aus vier Zweikämpfen, zwei Abwehrreihen und einer Tribüne, die den Atem anhält. Wer gewinnt, rückt an die Tabellenspitze heran – und wirft der HBL die nächste Schlinge um den Hals. Wer verliert, muss den Frühling mit sechs Punkten Rückstand verbringen. Für Hernandez und Milosavljevév ist es ein Abschied ohne Wiederkehr. Für Magdeburg und Berlin der Kampf um die Seebeutel der Saison. Die Daikin HBL liefert das Drama, wir liefern die Popcorn. Fertig? Los.