Lund andresen schlägt im regen von abruzzo zu – milan verfrüht, de lie erledigt

221 km Dauerregen, ein Peloton auf Sparflamme, dann ein Sprint, der alles versaut, was vorher läuft: Tobias Lund Andresen jagt in Magliano de’ Marsi mit einer Radlänge Vorsprung zum dritten WorldTour-Sieg innerhalb von fünf Wochen – und lässt Jonathan Milan leer ausgehen.

Der plan, der auf dem papier verrückt war

Decathlon-CMA-CGM schickt den 22-jährigen Dänen nicht als Lead-out, sondern als letzten Mann an Position eins. Milan, 150 Meter zu früh am Zug, öffnet aus der zweiten Reihe. Lund Andresen wartet, gleitet im Windschatten, schaltet in den letzten 80 Metern auf Turbo. Sieg. Punkt. Arnaud De Lie und Jasper Philipsen schauen nur noch auf das grüne Trikot, das davonfliegt.

Die Szenerie: Nieselregen auf der A24, 13 Grad, Visibility unter 200 Meter. Kein Berg, kein Wind, aber ein Peloton, das lieber Twitter checkt als Attacken zündet. Die einzige Spur von Zündstoff kommt von Raúl García und Andrea Pietrobon, 28 Kilometer vor dem Ziel. Vorbei in 90 Sekunden. Danach: Warten auf den Trockenstreifen. Der kommt – wie bestellt – 3,5 Kilometer vor dem roten Bogen.

Deutsche karte nicht im deck

Deutsche karte nicht im deck

John Degenkolb, einstiger Sanremo-Gewinner, rollt als 112. über die Linie, 5:25 Minuten Rückstand. Georg Zimmermann und Hannes Wilksch folgen als 126. und 131. – keine Bedrohung für die Pointswertung, keine Story für die Kamera. Die deutsche Sprinterhoffnung bleibt beim Frühstück im Hotel: Max Walscheid verliert 36 Sekunden, die Kluft zur Weltspitze wird größer statt kleiner.

Lund Andresen dagegen spricht wie ein alter Held: „Kalte Beine, heißer Kopf. Milan hat mir die Schneise gepflügt, ich hab nur den Hammer fallen lassen.“ Drei Siege 2026 – vor dem Frühjahr. Zahlen, die selbst Fabio Jakobsen 2019 neidisch machen würden.

Del toro behält das azur, pogacar wartet im hinterhalt

Isaac del Toro trägt weiter das blaue Trikot, vier Sekunden vor Giulio Pellizzari. Der Mexikaner wird in zwei Wochen nicht für sich, sondern für Tadej Pogacar die Flandern-Roubaix-Version von Sanremo fahren. Dort will Mathieu van der Poel seine Krone verteidigen. Lund Andresen lacht: „Ich fahre auch. Für mich. Kein Dienst, kein Kompromiss.“

Donnerstag geht’s nach Martinsicuro – 213 km, drei Anstiege, die Beine noch einmal kalt. Und eine Wahrheit, die sich festbrennt: Wer in diesem Frühjahr nicht vorne ist, wird vom Windschatten der Geschichte weggespült.